Experten warnen vor Koffeinpräparaten und anderen zweifelhaften Mitteln zur Leistungsförderung

Ohne Pillen in die Prüfung

Jetzt wird es stressig: Viele Abiturienten und Studenten empfinden Prüfungssituationen als besonders großen Druck. Foto:  dpa

Kassel. In der nächsten Woche beginnen die ersten Abiturprüfungen, und auch Studenten büffeln zurzeit für die nächsten Klausuren. Dabei greifen viele Schüler und Studenten zu Energiedrinks, Koffeintabletten oder Medikamenten wie Ritalin, um ihre grauen Zellen auf Trab zu bringen. Eine Entwicklung, vor der Experten nachdrücklich warnen.

Der Griff zur Tablette zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit sei nicht nur fragwürdig, sondern auch der erste Schritt zu einem leichtfertigen und unkritischen Umgang mit Medikamenten, sagt die Kasseler Allgemeinmedizinerin Dr. Andrea Brehm. Auch von Schmerzmittelpräparaten, die beispielsweise eine Kombination mit Koffein oder Codein enthalten, sollten junge Leute die Finger lassen, weil diese schnell abhängig machen und einen Schmerzmittelkopfschmerz auslösen können. „Koffeinpräparate dürften nicht frei verkäuflich sein“, lautet die Meinung der Medizinerin.

Und Ritalin mit dem Wirkstoff Methylphenidat wird eigentlich eingesetzt, um Menschen mit einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) oder Aufmerksamkeitsdefizits-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) zu behandeln. Es sollte nicht ohne eine begleitende psychosoziale Therapie verordnet werden, betont die Medizinerin. Denn es gebe eine Vielzahl verschiedener Ursachen für ADS, die bei der Behandlung mit einbezogen werden müssten. Wenn Eltern in ihrer Not zum Arzt gehen, komme es immer wieder vor, dass Ritalin ohne eine psychosoziale Begleitung verordnet wird, „doch das bringt keinen anhaltenden Nutzen für die Kinder“.

„Ritalin macht nicht schlauer“, betont auch Dr. Helga Christoffel, Medizinerin aus dem Ärztezentrum der Techniker-Krankenkasse. Auf Gesunde wirke das Mittel nachweislich stimulierend, doch sei bei diesen Medikamenten äußerste Vorsicht geboten. Sie könnten zu Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Reizbarkeit und Nervosität führen. Zudem fällt das Mittel unter das Betäubungsmittelgesetz und es sei nicht auszuschließen, dass es abhängig macht, warnt die Ärztin. ARTIKEL RECHTS + LINKS

Von Martina Heise-Thonicke

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