Kasseler Germanistik-Studenten zeigen Schwächen des Bachelor-Abschlusses auf

Ohne Praktikum keinen Job

Kassel. „Braucht der Arbeitsmarkt Helden?“ Mit dieser Frage haben sich Germanistik-Studenten der Universität Kassel im gestern zu Ende gegangenen Semester auseinandergesetzt.

Um ihre Berufschancen auszuloten, haben sie mit Vertretern von 15 Firmen aus der Region über Anforderungen und mögliche Arbeitsfelder gesprochen. Zentrales Ergebnis: Bachelor-Absolventen mangelt es an Praxiserfahrung.

„Die Anforderungen sind mit dem Regelstudium schwer bis gar nicht vereinbar“, resümiert Studentin Anna Matthieu. So könnten viele Firmen nicht das im Studium vorgeschriebene achtwöchige Praktikum anbieten.

Dieser Zeitraum sei zu kurz, bestätigt Rudi Stassek, Sprecher des VW-Werkes in Baunatal. In der Regel absolvierten Studierende hier im Bereich Presse und Kommunikation ein drei- bis sechsmonatiges Praktikum, um in diesem Zeitraum eine eigene Projektarbeit zu betreuen.

Doch so viel freie Zeit gebe das straff organisierte Bachelor-Studium nicht her, beklagen die Studierenden. Und für ein länger dauerndes Praktikum ein Urlaubssemester einzulegen, bringe viele in finanzielle Schwierigkeiten.

Schnittstelle Uni und Beruf

„Wenn ein Student angibt, nur acht Wochen Zeit für ein Praktikum zu haben, kommt dies womöglich so an, als wäre er unwillig oder unflexibel. Dabei ist vieles dem System geschuldet“, sagt Seminarleiterin Petra Böhles. Sie schlägt vor, einen eigenen Arbeitgeberservice zu installieren, der zwischen den künftigen Absolventen und der heimischen Wirtschaft vermittelt und Freiräume schafft. Sie habe jedoch keine Reaktion auf diesen Projekt-Vorschlag seitens der Uni erhalten, sagt die Dozentin.

Die angehenden Akademiker haben während ihrer Interviews mit Firmen wie unter anderem B. Braun, Eon Mitte, Industrie- und Handelskammer, HR und HNA nicht nur erfahren, dass Praxis großgeschrieben wird. Vor allem zähle auch Persönlichkeit, hat Studentin Juliane Kling beobachtet: Selbstbewusstsein, Kreativität, Eigeninitiative und Reife nannten viele Unternehmen als Anforderungen an Bewerber.

Um diese Kernkompetenzen mit praktischen Erfahrungen zu koppeln, schlägt Student Christian Trümper vor, ein komplettes Praxissemester einzuführen. (abe)

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