Kasseler Hobbyfußballer richten Alternative Fußballmeisterschaften 2012 aus

"Söhne der Mutter": Ohne Training zum Titel

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Titelverteidiger: Hannes Schilling (von links), Trainer Henning Beste, Jörg Hofmann, Chris Boost, Lars Hofmann (Torwart), Markus Oppermann, Alexander Rappe, Stephan Gruber und Axel Jahr verteidigen als Söhne der Mutter im kommenden Jahr Meistertitel und Pokal (Bildvordergrund).

Kassel. Sie trainieren weder Freistöße noch Doppelpässe, machen keine Steigerungsläufe und legen keinen Wert auf eine Taktik-Tafel. Die „Söhne der Mutter“ aus Kassel trainieren gar nicht. Sie spielen einfach so. Und das überaus erfolgreich.

Kürzlich gewannen die Hobbyfußballer in Regensburg als erste Kasseler die Deutschen Alternativen Fußballmeisterschaften (DAM).

Jetzt beginnen die Vorbereitungen für die Meisterrunde 2012. Denn die richtet traditionell der Titelverteidiger am Pfingstwochenende aus.

32 Mannschaften erwartet

„Wir erwarten im nächsten Jahr 32 Mannschaften in Kassel“, sagt Axel Jahr, 44-jähriger Mittelfeldmotor und Gründungsmitglied der kickenden Spaßtruppe, die sich in den 1990er-Jahren nach der Kult-Kneipe in der Nordstadt benannt hat. Die nach Alter und Beruf bunt gemischte Truppe hofft, das Turnier auf den Waldauer Wiesen austragen zu können. Denn: „Das wird schon was Großes“, sagt Jahr, „inklusive der Teams werden wohl 600 Leute kommen“.

Dass sie das mehrtägige Turnier austragen dürfen, verdanken sie einem 1:0 im Finale gegen Titelverteidiger FKK Piranhas. „Wir hätten nicht gedacht, dass wir gewinnen“, sagt Stephan Gruber. Immerhin seien die Regensburger Seriensieger im Schnitt zehn Jahre jünger als die Muttersöhne. „Und die waren nüchtern“, ergänzt der 44-Jährige lachend, der schon auf fast jeder Position gespielt hat.

Bei den DAM, die seit den 1980er-Jahren stattfinden, steht der Spaß an erster Stelle. Die Atmosphäre ist familiär und solidarisch - auch anderen Mannschaften gegenüber. Nicht selten reisen Familie und Freunde mit, die dann neben dem Spielfeld zelten. Die Mannschaften heißen Marodierende Friedenstauben, Vibrator Moskowskaja und Dieter Hoeneß Hirnverband, richtige Schiedsrichter sind verpönt, und die Fans sitzen auch schon mal im Anstoßkreis, der beispielsweise 2002 in Berlin zum Aus gehörte.

Voraussetzung für die DAM-Teilnahme ist nicht etwa sportliches Format, sondern eine kreative und witzige Bewerbung, die den kulturellen und gesellschaftlichen Geist des Alternativfußballs wiedergeben sollte. „Teams, die jedes Jahr antreten, werden aber natürlich auch in Kassel dabei sein“, sagt Jahr. Neben Dynamo Windrad und BC Partysahne aus Kassel wird deshalb auch wieder Union Street FC aus Oxford zur Meisterschaft reisen. „Die Jungs sind seit langem fester Bestandteil unserer Fußballfamilie, werden von Jahr zu Jahr besser und haben im Erfolgsfall die Möglichkeit, ein Turnier ausrichten“, sagt Axel Jahr.

Auch wenn noch viel organisiert werden muss: Die DAM 2012 in Kassel versprechen unterhaltsam zu werden. Vielleicht sogar historisch, wenn zum ersten Mal ein Team Engländer deutscher Meister wird. Die Titelverteidiger hätten nichts dagegen. Trainieren werden sie jedenfalls nicht.

Von Sebastian Schaffner

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