Kaum erforscht

Der Ohrwurm vor dem Fest: So wird Weihnachtsmusik wahrgenommen

Fangen die Klangkulisse des Weihnachtsmarktes ein: Die Musikstudenten Thomas Sosna (von links), Christian Sawatzky, Johanna Schmidt, Claudius Ullmann und Anna Maria Macher haben die Lieder und Geräusche auf dem Weihnachtsmarkt aufgenommen und Passanten befragt, wie sie die Musikbeschallung empfinden. Foto: Koch

Kassel. Sie kommen alle Jahre wieder und sind schon lange vor dem Fest allgegenwärtig: Weihnachtslieder. Aber wie wirken diese Lieder auf uns? Und wann fangen sie an zu nerven?

Ob „Last Christmas“ in der Dauerschleife im Radio oder „O Du Fröhliche“ als Hintergrundmusik im Supermarkt – entkommen kann man Weihnachtsmusik in diesen Tagen kaum. Wie die Lieder auf uns wirken, will der Kasseler Musikwissenschaftler Prof. Jan Hemming mit seinen Studenten herausfinden.

Hennings Spezialgebiet sind Ohrwürmer. Man muss kein Forscher sein, um zu wissen, dass es da große Schnittmengen zum Thema Weihnachtslieder gibt. „Jeder kennt es, dass einem nach dem x-ten Mal hören ein Lied wie ,Driving Home For Christmas‘ nicht mehr aus dem Kopf geht“, sagt Hemming. Doch erforscht ist die Wirkung von Weihnachtsliedern bisher kaum. „Das ist umso erstaunlicher als solche Musik in der Vorweihnachtszeit vom Handel massenhaft eingesetzt wird“, sagt der Wissenschaftler.

35 Studenten seines Seminars „Wahrnehmung und Wirkung von Weihnachtsliedern im öffentlichen Raum“ werden in den kommenden Wochen die Klangkulisse in der Kasseler Innenstadt und speziell auf dem Weihnachtsmarkt analysieren und die Menschen befragen, wie sie diese empfinden.

Jan Hemming

Bei dem ersten Vor-Ort-Termin auf dem Weihnachtsmarkt waren die Studenten überrascht. „Ich hatte erwartet, dass jede Bude ihre eigene Musik dudelt“, sagt Claudius Ullmann. Stattdessen geben zentrale Lautsprecher auf dem Weihnachtsmarkt den Ton an. Dort seien überwiegend instrumentale Weihnachtsmusik gespielt worden. Nur an den Karussells wurden lautere Lieder in Après-Ski-Manier gespielt und an einem Süßwarenstand gar der Rap-Song „Gangsta’s Paradise“

Ingesamt sei die Weihnachtsbeschallung noch sehr dezent, sagt auch Professor Hemming. Er rechnet damit, dass die Intensität mit der Zeit gesteigert wird. „Ich könnte mir vorstellen, dass sich dann auch die Wahrnehmung der Menschen verändert“, sagt Studentin Anna Maria Macher: „Was am Anfang vielleicht noch als angenehm empfunden wird und die Vorfreude auf Weihnachten erst richtig hervorruft, könnte dann schnell ins Nervige umschlagen.“

Ob das zutrifft, werden die 35 Musikstudenten bei zwei weiteren Forschungs-Visiten in der Innenstadt überprüfen. Auch die Bandbreite der gespielten Lieder werden sie analysieren: Sind vor allem traditionelle Lieder oder eher moderne Weihnachts-Popsongs zu hören? Und gibt es bestimmte Lieder mit besonders hohem Nerv-Faktor? Die Ergebnisse der Untersuchung sollen im Frühjahr vorliegen. Die HNA wird darüber berichten.

Von Katja Rudolph

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