Technorama in Kassel: Hier Video und Fotos der Oldtimer-Show

Kassel. Wenn in der Warteschlange am Bratwurststand vor den Messehallen gleich in mehreren Grüppchen eifrig über tropfendes Öl debattiert wurde, dann konnte man am Wochenende sicher sein: Hier ging es nicht um die Friteuse. Beim Oldtimermarkt Technorama hatten Schrauber, Bastler und technische Schatzsucher die Gesprächshoheit.

Bis zu 15 000 Fans waren gekommen und tauschten leidenschaftlich Lebens- und Leidensgeschichten aus, die von lecken Schläuchen, rostigem Blech, in Werkstattgruben verbrachter Lebenszeit und dem finalen, alles entschädigenden Besitzerstolz handelten.

So einen Weg hat auch Bernd Waldmann hinter sich. Behutsam streicht der Borkener über den feuerroten Lack seines 45 Jahre alten Opel Kadett B-Coupés. „Sieht aus, als wäre der gerade vom Band gelaufen“, kommentieren zwei Passanten, und das geht Waldmann runter wie Motoröl.

Technorama in Kassel

Vor vier Jahren war der makellose, schnittige Rüsselsheimer noch ein Schrotthaufen gewesen und stand in Schweden. Waldmann hat nie zusammengerechnet, wie viele Arbeitsstunden er seither in seinen automobilen Jugendtraum investiert hat. Und Geld? „Das will ich lieber nicht wissen“, winkt der gelernte Kfz-Mechaniker ab.

Vom Auto zur Nähmaschine

Waldmanns Mitstreiter vom Alt-Opel-Stammtisch Kassel haben neben Autos mit Blitz aus vielen Epochen auch alte Nähmaschinen, Fahrräder und einen Kühlschrank aufgefahren – alles made in Rüsselsheim, als Hinweis auf die Opel-Gründung vor 150 Jahren. „Adam Opel war damals der weltgrößte Nähmaschinenhersteller“, erzählt Stammtischleiter Harald Bachmann aus Waldkappel. Auch dieser Teil der Firmengeschichte werde von den Mitgliedern gepflegt, „aber in der Regel fängt’s ja mit den Autos an.“

Wo zur Jugendzeit vieler Besucher die motorisierte Freiheit anfing, war in der Motorradhalle nachzuempfinden. Perfekt restaurierte Kleinkrafträder aus den 1970ern versetzten manchen Messegast um die 50 in wilde Zeiten zurück, als man noch auf Flitzern wie Hercules K 50 RLC, Zündapp KS 50 oder der ikonisch grasgrün-chromglänzenden Kreidler Florett auf Mädchen-Beeindruckungstour in den Jugendklub des Nachbardorfes knatterte. Dabei kam es auf jeden halben Kilometer Tempo-Vorteil an. „Das ist heute auch noch so“, sagt Hercules-Schrauber Eberhard Koch aus Kaufungen und wirft die technischen Streitfragen von einst wieder auf: S-Krümmer oder SW-Krümmer – die Leistungs-Feinheiten beider Auspuffstücke hatte er gerade einer Runde von Moped-Fachsimplern auf einem Blatt Papier skizziert.

In der Halle nebenan ducken sich zwei Citroën DS-Limousinen mit schlafender Federungshydraulik dicht über dem Boden. Die sind ganz nach dem Geschmack von Frank Thaldorf, der sein Piaggio-Dreirad mit mobiler Espressobar in der Nähe aufgestellt hat. Auch der in der Stadt omnipräsente Barista hätte einen Oldtimer-Traum, nämlich so einen wellblechgaragenartigen Citroën-Kleinbus vom Typ HY, wie er vis-à-vis steht. Allerdings: „Damit käme ich dann wohl in manche Hallen nicht mehr rein.“

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