Gewinner sollten noch Geld mitbringen

Oldtimertour: Versprochene Preise gab es nicht

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Das wäre sein Preis gewesen: Eine Mitfahrt als Beifahrer beim dreitägigen „Grand Prix in memoriam Rudolf Caracciola“ – jedoch unter anderen Bedingungen als von den Veranstaltern in Aussicht gestellt.

Kassel. Mit einer Oldtimer-Tour von Kassel nach Dresden  wollte die „Scuderia Rudolf Caracciola“ am Wochenende nicht nur 80 Autos in Szene setzen, sondern auch Geld für gute Zwecke sammeln. Aus dem versprochenen Gewinn für drei Spender – eine Mitfahrt als Beifahrer samt Hotel-Logis – wurde nichts.

Stattdessen sollten die ermittelten Gewinner noch Geld mitbringen. Ihr Angebot hatten die Veranstalter schon vor Monaten unter anderem auch über die HNA verbreitet: Wer drei Euro zugunsten der José-Carreras-Leukämiestiftung überweise, habe die Chance auf die Drei-Tages-Tour im Oldtimer samt Vollverpflegung. Die Gewinner müssten lediglich organisieren, wie sie zum Startpunkt nach Kassel kommen, hatte Mitorganisator Eduard Neitzke damals gesagt.

Zu denen, die als Gewinner kontaktiert wurden, gehörte auch Klaus Riemenschneider. Der 46-Jährige aus Alheim-Heinebach ist seit 20 Jahren glühender Oldtimerfan und schon etliche Male zu den legendären Mille Miglia nach Italien gereist. Auf die Aussicht, drei Tage lang in einem Oldtimer-Konvoi unterwegs zu sein, hatte er sich gefreut wie ein Schneekönig. Doch letztlich hat er die Tour nicht angetreten. „Ich kam mir vor, als hätte ich bei Ebay eine leere Schachtel ersteigert“, erzählt Riemenschneider.

Denn nach einigen Kontakten und Formalitäten hätten die Veranstalter wohl bemerkt, dass sich ihre Versprechungen aus dem spärlich fließenden Spendeneingang nicht einlösen ließen.

Ende Mai teilten sie Riemenschneider in einer Mail mit „herzlichem Glückwunsch“ mit, dass sein Gewinn nunmehr aus einer Mitfahrt auf der „3. Etappe Dresden – Kassel am 29. Juni“ bestehe. Eine Tagestour also, keine Rede mehr von zwei Nächten im Hotel.

Tage später kamen weitere Informationen: Zum Zusteigen werde Riemenschneider am frühen Samstagmorgen vor der Semperoper in Dresden erwartet: „Bitte seien Sie um 6.45 Uhr am Fahrzeug.“

Die Reise- und wohl auch die Übernachtungskosten am Startort in Sachsen hätte Riemenschneider selber tragen müssen. Da der 46-Jährige derzeit noch mal eine Umschulung macht, muss er anders als die meist gut betuchten Oldtimer-Eigner jeden Euro zweimal umdrehen. Dennoch hatte er tagelang überlegt, ob er sich das Vergnügen trotzdem leistet.

Klaus Riemenschneider

Als aber am 24. Juni von den Veranstaltern ein „Spendenaufruf an die Gewinner“ eintraf, war die Sache für den Autofan entschieden. In dieser E-Mail schilderten die Organisatoren, dass sie ihre Sammelaktion gern mit einem Fernsehauftritt „krönen“ möchten, bei dem sie vor laufender Kamera einen symbolischen Scheck über 1000 Euro an die Carreras-Stiftung überreichen. Nach dem Spendenaufruf seien leider allerdings etwa 300 Euro zu wenig eingegangen. Daher bitte man jeden der drei Gewinner, „uns zu helfen“ und jeweils noch einmal 100 Euro in den Spendentopf zu werfen.

Dieser sanfte Druck bewirkte, dass sich Klaus Riemenschneider endgültig nicht mehr als Gewinner fühlte: „Das fand ich dann richtig doof.“

Das sagen die Veranstalter

Mit technischen Schwierigkeiten begründet Eduard Neitzke, Mitveranstalter der Oldtimertour, dass die ursprünglich in Aussicht gestellten Preise für die drei Gewinner der Spendenaktion deutlich abgespeckt wurden: „Wir mussten das alles ganz kurzfristig umstricken“, sagt er.

Zuletzt aktualisiert um 9.30 Uhr

Zwei von drei Oldtimern, in denen die Gewinner eigentlich hätten mitfahren sollen, seien wegen Defekten oder aus anderen Gründen gar nicht in Kassel an den Start gegangen. Auf andere Fahrzeuge aber hätte man die Gewinner nicht verteilen können, da die Beifahrerplätze dort mit Copiloten besetzt gewesen seien, die während der Rallye bestimmte Aufgaben hätten erfüllen müssen.

Neitzke sagt, so sei nur die Variante verblieben, dass alle drei Gewinner je eine Etappe in dem verfügbaren Riley von 1933 mitfahren. Wann und wie diese Änderungen den ausgelosten Personen mitgeteilt worden sind, wisse er nicht; diese Kontakte hätten andere übernommen. Einen Zusammenhang mit dem überschaubaren Spendenaufkommen gebe es nicht, sagte Neitzke.

Jurist: "Das darf man so nicht machen"

Das Gewinnversprechen der Oldtimerfreunde von der „Scuderia Rudolf Caracciola“ ist auch aus rechtlicher Sicht problematisch, urteilt das Kasseler Büro der Verbraucher-Zentrale Hessen. „Bei einem Unternehmen wäre das unlauterer Wettbewerb, aber auch private Spendensammler hätten das so nicht machen dürfen“, sagt Wirtschaftsjurist Thomas Hertwig von der Verbraucher-Zentrale.

Im Prinzip könne jemand einen solchen Gewinn mit Verweis auf einschlägige Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches in dem Umfang einklagen, wie er ihm versprochen wurde, sagte Herwig. Es sei höchst ungeschickt von den Veranstaltern gewesen, die Gewinner bereits zu einem Zeitpunkt zu benennen, als offenbar noch gar nicht feststand, ob sich die in Aussicht gestellten Preise tatsächlich auch organisieren und finanzieren lassen.

Um sich rechtskonform zu verhalten, hätten die Oldtimerfreunde ihre abgeänderten Gewinnzusagen in genau der gleichen Weise bekannt machen müssen, in der sie zuvor für ihre Spendenaktion geworben hatten – also durch Veröffentlichung in Zeitungen, Fachmagazinen sowie auf Flugblättern, sagte der Jurist.

Tour-Veranstalter wehren sich gegen Kritik

Zum Bericht der HNA legen die Organisatoren Wert auf die Feststellung: Es habe nichts mit der eingegangenen Spendensumme zu tun, dass die versprochenen Hotelübernachtungen nicht stattgefunden hätten.

Mitveranstalter Eduard Neitzke verweist auf einen Vertrag mit der José-Carreras-Leukämiestiftung, der Empfängerin der Losspenden. Laut dem Dokument, das der HNA vorliegt, haben sich die Veranstalter verpflichtet, sämtliche Verlosungseinnahmen ohne Abzug an die Carreras-Stiftung weiterzuleiten.

Es sei „deshalb gar nicht möglich, von den Einnahmen durch den Losverkauf irgend etwas zu bezahlen, weder eine Reise, Hotelkosten oder sonstiges“, sagt Neitzke. „Es war immer deutlich, dass die Kosten, welche die Gewinner verursachen, ausschließlich vom Veranstalter zu tragen sind.“

Zudem hätten die Teilnehmer der Tombola keine direkten Spenden an die Stiftung geleistet. Die „Scuderia Rudolf Caracciola“ habe die Aktion auf eigene Verantwortung und auf eigenes Risiko organisiert – mit dem Ziel, den Erlös später dann in eigenem Namen an die Stiftung zu spenden.

Zu den versprochenen Hotelübernachtungen sagte Neitzke: „Es stand zu keinem Zeitpunkt in Frage, dass die in Aussicht gestellten Preise finanziert werden können“. Die Zimmer seien auch schon gebucht gewesen. Gescheitert sei das Vorhaben, „weil schlichtweg die Autos nicht zur Verfügung standen, was jederzeit beweisbar ist“.

Die Einnahmen durch die Losverkäufe seien „vollkommen autark und losgelöst von den Kosten welche die Mitfahrt der Gewinner verursacht haben", betonte Neitzke.

Von Axel Schwarz

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