Ansturm auf Fachklinik

Online-Sucht: Doppelt so viele Fälle wie vor einem Jahr

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Kassel. Die Zahl Online-Süchtigen nimmt stark zu. Hier sind nach Schätzungen rund 2800 Menschen betroffen. Dabei zeigt sich Sucht bei Männern und Frauen völlig unterschiedlich.

Das sind Zahlen von Dr. Gabriele Fröhlich-Gildhoff, Chefärztin der Psychosomatischen Abteilung der Habichtswald-Klinik Kassel.  

Noch im Vorjahr schätzte Fröhlich-Goldhoff die Zahl auf 1300, der Trend geht immer steiler nach oben.

Ein Grund, warum die Habichtswald-Klinik ihre Zahl an Therapieplätzen innerhalb eines Jahres verdoppelt hat. „Wir haben statt zehn jetzt 20 Plätze. Das reicht momentan aus, allerdings rollt da etwas auf uns zu, die Zahl der Betroffenen wird weiter deutlich ansteigen“, so die Chefärztin. Das Thema Onlinesucht sei in vielen Köpfen noch nicht angekommen, genau daran müsse dringend etwas geändert werden.

Während Männer eher zur Sucht nach Onlinespielen neigen, sind Frauen eher nach sozialen Netzwerken wie Facebook abhängig.

Gestützt werden die Zahlen durch eine Studie des Kriminologischen Forschungszentrums Niedersachsen. Demnach sind bundesweit 3,5 Prozent der Jugendlichen gefährdet, onlinesüchtig zu werden, 1,5 Prozent sind es bereits. Laut einer Studie im Autrag der Drogenbeauftragten der Bundesregierung sind vier Prozent der Menschen im Alter von 14 bis 16 Jahren betroffen. Menschen mit unsicherer sozialer Bindung oder jene, die viel Gewalt erlebt haben, sind laut Fröhlich-Gildhoff besonders gefährdet. „Ganz entscheidend ist, dass Medienschulungen früh in den Schulen erfolgen. Das kann die Zahl der Onlinesüchtigen senken“, erklärt die Chefärztin.

Während die Zahl der Fernseher in den Kinderzimmern der Sechs- bis 13-Jährigen laut Studie des Kriminologischen Forschungszentrums sinkt, ist die der Smartphones von 2004 bis 2012 um rund 20 Prozent gestiegen. „In der Pubertät suchen die jungen Menschen einen neuen, weiteren Halt. Den finden einige von ihnen im Internet“, so Fröhlich-Gildhoff.

Bin ich Computerspiel- und Internetsüchtig?

Von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es dazu einen Test.

Hier gibt es Hilfe:

Jugend- und Drogenberatungsstelle „W23“
Ansprechpartner Barbara Beckmann
w23@drogenhilfe.com
Schillerstr. 2
34117 Kassel
Tel: 0561 10 36 41
Fax: 0561 10 42 76

Zweckverband Diakonisches Werk Kassel Suchtberatung

Ansprechpartner Philip Theis
info@dw-kassel.de 
Goethestr. 96
34117 Kassel
Tel: 0561 93 89 50

Fachstelle für Sucht und Suchtprävention(Diakonieverband Göttingen)
Beratung und Behandlung für Glücks- und Onlinespieler  suchtberatung.goettingen@evlka.de
Telefon: 05517 20 51
Fax: 05517 70 40 20
Schillerstraße 21
37083 Göttingen

Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH, Fachambulanz Northeim Suchtberatungsstelle
fa-northeim@lukas-werk.de 
Tel: 05551 90 82 06 0
Fax: 05551 90 82 06 99
Scharnhorstplatz 5
37145 Northeim

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