Uwe Enders aus Breuna war auf Spurensuche in Ostkanada, wo ein Ort nach Kassel benannt ist

In Ontario ist Cassel nur ein Nest

Am Ortsschild: Uwe Enders aus Breuna besuchte während einer Kanada-Reise das Örtchen Cassel. Die Gegend ist von deutschen Einwanderern geprägt. Foto: Enders

Kassel/Cassel. „Cassel ist ein kleines Nest“. Uwe Enders äußert sich nicht etwa abfällig über die Nordhessen-Metropole mit etwa 195 000 Einwohnern. Der 49-Jährige aus Breuna spricht von einem Dorf in Kanada im Süden Ontarios, dem er jüngst einen Besuch abstattete.

Schon mehrfach verbrachten er und sein Lebenspartner ihren Urlaub in Kanada, um Freunde zu besuchen und um die Natur im Norden Ontarios zu genießen. In diesem Jahr gab es zwei Premieren: Erstmals stieg Enders’ 86-jährige Mutter mit ins Flugzeug. Und ein Besuch des Örtchens Cassel stand auf dem Plan. „Es ist aber gar nicht so leicht, Cassel zu finden, denn es handelt sich nur um eine unscheinbare Ansiedlung von einzelnen Höfen“, berichtet Enders.

Der Weg nach Cassel führt an der Stadt Kitchener vorbei, die bis 1916 den Namen Berlin trug und bis heute für sein großes Oktoberfest bekannt ist. Die Gegend sei vorwiegend von ehemaligen deutschen Einwanderern besiedelt; noch immer sprächen die Menschen dort Deutsch. „Man kommt sich so vor, als ob man eine Blitzreise durch Deutschland macht, wenn man die Ortsschilder liest“, sagt Enders. Über Heidelberg, Bamberg, Petersburg und Baden ging es nach Neu-Hamburg. Von Tavistock führt schließlich eine kleine unscheinbare Straße in Richtung Cassel. „Etwa sechs bis sieben Kilometer fahren wir nur eine holprige Asphaltpiste entlang. Seitenstraßen sind hier oftmals noch ungeteert. Steine poltern unter dem Auto und schlagen in die Radkästen und dem Unterboden.“

Grabsteine erzählen

Schon von weitem erspähen die Nordhessen die Kirche von Cassel. „Sie ist für die kleine Ortschaft überdimensional groß und steht direkt an einer Straßenkreuzung ganz alleine verlassen da.“ Die Kirche sei leider verschlossen gewesen, erzählt Uwe Enders. Er habe sich schließlich auf dem Friedhof umgesehen in der Hoffnung, dass die Grabsteine Auskunft über die Geschichte des Ortes geben können.

„Zahlreiche deutsche Namen sind zu finden, und ich suche Namen, die hier in unserer Region typisch sind. Ich habe Glück und finde mitunter den Grabstein der Familie Crenzebach, wahrscheinlich abgeleitet von Grenzebach“, berichtet Enders, der als Mitarbeiter des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kassel zuständig für Grabschmuck und Fotoaufträge ist.

Die Familie steuert noch einige Farmen an, steht jedoch vor verschlossenen Türen. Nach langen Suchen trifft sie auf einen Anwohner, der freundlich Auskunft gibt. „Da er aber nur zugezogen ist, sind die Angaben spärlich. Immerhin erfahren wir, dass Cassel 39 Einwohner hat und im 18. Jahrhundert gegründet wurde“. Uwe Enders überreicht ihm ein Heft in englischer Sprache, das über das nordhessische Kassel informiert. „Vielleicht konnten wir an diesem Tag eine kleine Brücke von Kassel nach Cassel schlagen“, hofft Uwe Enders.

„Übrigens, ein Ortsteil von Kitchener heißt Waldau“, ergänzt der Kanada-Urlauber und rätselt: „Ob die ehemaligen Einwohner dieses Bezirkes auch aus unserer Gegend stammen?“ (abe)

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