OP-Betrieb läuft noch nicht rund: Momentan 40 statt 70 Eingriffe

Kassel. Erst Fulda, dann Kassel, jetzt Eschwege: Probleme mit der Aufbereitung von Operationsinstrumenten sind kein Einzelfall mehr. Am 1. Februar wurde die Abteilung zur Reinigung und Sterilisation von OP-Instrumenten am Klinikum Kassel geschlossen.

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Grund: Bei einer kurzfristig angesetzten Kontrolle der Gesundheitsbehörden wurden Ablagerungen und Verfärbungen auf OP-Bestecken gefunden. Zum Stand der Dinge hier Fragen und Antworten:

? Funktioniert die Zentralsterilisation wieder?

!Nachdem Reinigungsprozesse umgestellt und unter anderem zwei eigene Dampf-erzeuger für die Sterilisation angeschafft wurden, lief der Betrieb am Freitag wieder an. Heute ist eine Begehung durch Hygienefachleute des Gesundheitsamtes und des Regierungspräsidiums geplant.

? Kann am Klinikum wieder mehr operiert werden?

!Nachdem in der ersten Woche nach Stilllegung der Zentralsterilisation täglich nur etwa zehn Notfälle operiert werden konnten, sind es inzwischen täglich ungefähr 40 Operationen im gesamten Klinikum. Normalerweise werden an Werktagen im Klinikum insgesamt 60 bis 70 Patienten operiert.

? Warum läuft der OP-Betrieb noch nicht normal?

!Aufgrund der Beanstandungen bei den Operationsbestecken waren alle im Umlauf befindlichen Instrumente des Klinikums zunächst in Quarantäne genommen worden. Eine große Auswahl sei zu den Herstellern zur Prüfung und Aufbereitung geschickt worden, hieß es. Insgesamt 500 Siebe mit OP-Sets sind an die Hersteller geschickt worden. Bis gestern waren 150 zurückgekommen. Das reicht noch nicht, um den vollen Operationsbetrieb wieder aufzunehmen. Das Klinikum verfügt normalerweise über 1500 Siebe mit insgesamt 30 000 einzelnen Instrumenten.

? Kann man schon absehen, wie groß der Schaden für das Kasseler Klinikum ist?

!Laut Geschäftsführung lässt sich der finanzielle Schaden noch nicht konkret eingrenzen. Man rechne jedoch mit mindestens zwei Millionen Euro für die Aufbereitung der Instrumente. Außerdem befürchtet man, dass geringere Einnahmen durch weggefallene Operationen mit mehreren Millionen Euro zu Buche schlagen könnten.

? Ist deshalb die Rückzahlung des Gehaltsverzichts der Mitarbeiter in Gefahr?

!Da in diesem Jahr die Rückzahlung für das Geschäftsjahr 2010 erfolgt, ist diese dem Vernehmen nach nicht betroffen. Geschäftsführer Dr. Gerhard M. Sontheimer hatte angekündigt, einen Großteil des Gehaltsverzichts zurückzuzahlen. Die Rückzahlung für das laufende Jahr, die dann 2012 erfolgen würde, sei allerdings gefährdet.

? Was bedeutet das alles für Patienten?

!Viele geplante Operationen mussten abgesagt werden. In vielen Fällen konnten auch Notfälle nicht auf dem Möncheberg versorgt werden. Es wird noch einige Wochen dauern, bis der Operationsbetrieb wieder normal läuft. Nach bisherigem Kenntnisstand hat es keine Gesundheitsgefährdung durch Ablagerungen und Verfärbungen (gefunden wurden Silikate und Eisenteilchen) an Operationsbestecken gegeben. (hei)

Von Martina Heise-Thonicke

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