Die Kasselerin Jolanta Radek aus Polen ist Fußballfan

Operndiva und Bond-Girl mit Faible für den BVB

Großer Fußballfan: Die Kasselerin Jolanta Radek stammt aus Polen.
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Operndiva und großer Fußballfan: Jolanta Radek

Public Viewing gibt es bei dieser Fußball-Meisterschaft nicht in gewohnter Form. Wir bringen das EM-Gefühl nach Hause. Heute sprechen wir mit der Kasselerin Jolanta Radek aus Polen.

Kassel. Eine Operndiva, die ein waschechter Fußballfan ist? Wer meint, dass das nicht zusammengeht, den straft Jolanta Radek Lügen. „Ich kenne mich mit der Bundesliga besser aus als mein Mann“, sagt die temperamentvolle Polin. Ein bisschen habe der sich sogar anstecken lassen: von Jolantas Fußballvernarrtheit und Fanliebe zu Borussia Dortmund. Bevor er zum Stammtisch geht, schärfe sie ihm immer ein: Wehe, Du hältst zu Bayern München. Du musst dem BVB die Daumen drücken.

Die EM-Spiele verfolgt das polnisch-deutsche Ehepaar gemeinsam. Da geht es im Wohnzimmer bei Häppchen und kühlen Getränken heiß her. „Vom Anpfiff an kommentieren wir die Spiele, wir schreien und feuern die Spieler an.“ Es sei klasse. „Fußball ist einfach ein großes Spektakel. Man weiß nie, wie es ausgeht. Anders als im Theater.“

Dabei hat sie neben ihrer polnischen Mannschaft so einige Schätzchen, denen sie die Daumen drückt. Vorneweg der deutschen Elf. „Ich war verzweifelt, als die Deutschen gegen Frankreich so unglücklich verloren haben.“ Das zweite Spiel sei super gewesen. „Jetzt bin ich happy.“ Sie freue sich übrigens auch über die öffentlichen Statements der Spieler gegen Rassismus, gegen Homophobie und für Toleranz.

„Die Polen“, bemerkt die 64-Jährige, „haben am Anfang schlecht gespielt. Gott sei dank haben sie sich gegen Spanien zusammengenommen und Lewandowski schoss das erlösende Tor. Jetzt gibt es eine Mini-Chance weiterzukommen. Es kommt drauf an, wie die anderen spielen.“ Es wird spannend.

Geboren in Katowice ist Jolanta Radek in Warschau aufgewachsen, wo ihre Eltern Musik studiert haben und später als Profis arbeiteten: der Vater, ein Geiger, als Konzertmeister an der Warschauer Philharmonie, und die Mutter als Starmezzosopranistin an der Oper. Als Künstler bereisten die Eltern die Welt, von China bis Amerika.

Jolanta, die das Talent der Mutter geerbt hat, sang früh im Kinderchor. Sie studierte Querflöte und Gesang.

Bald ging es für die junge Opernsängerin zu den Salzburger Festspielen und nach Wien an die Staatsoper. Als Ensemblemitglied der Wiener Volksoper war sie – nette Anekdote – Statistin in einem James-Bond-Film, der seinerzeit dort gedreht wurde. „Eine kuriose Randnotiz“, sagt Jolanta Radek. „Ich habe dem keine Bedeutung beigemessen. Für mich zählte allein die Bühne.“ In Wien lernte Jolanta auch ihren ersten Mann und späteren Vater ihrer Tochter, einen Dramaturgen, kennen. Ihm zuliebe ging sie zuerst mit nach Wiesbaden und schließlich nach Kassel – wo sie ihre zweite Heimat gefunden hat. Seit 15 Jahren lehrt Radek an den Unis in Mainz und Kassel Gesang.

.   Was ich an Polen mag: die Leute, meine Familie, die wunderschöne Landschaft und auch die Städte.

.  Das muss man unbedingt in Polen gesehen haben: Krakau, Warschau, Gdansk und Wroclaw, herrliche Städte.

.   Deshalb habe ich manchmal Sehnsucht nach Polen: Mit Polen verbinde ich eine schöne Kindheit und Jugend, viele Freundschaften, und natürlich denke ich an meine Familie. Ich hoffe, dass ich meine Eltern und Geschwister im Sommer besuchen kann.

. Das ist mein Lieblingsspieler in der polnischen Mannschaft: Robert Lewandowski. Ansonsten natürlich Cristiano Ronaldo.

.  Das ist mein polnisches Lieblingsgericht: Ich bin seit Jahren Vegetarierin, aber gut schmeckt mir das polnische Nationalgericht Bigos, Krauteintopf mit Fleisch und Wurst. Ich habe davon schon vegetarische Varianten zubereitet. Die schmecken aber nicht so gut wie das Original. (Christina Hein)

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