79-Jährige überrollt: Verfahren gegen Lkw-Fahrer gegen Geldbuße eingestellt

Tödlicher Unfall auf Kurt-Wolters-Straße vor Gericht: Opfer hat eine Mitschuld

Kassel. Anfang Oktober 2010 war auf der Kurt-Wolters-Straße, an der Einmündung der Artilleriestraße, eine 79-jährige Frau unter einen Lkw geraten und kurz darauf an ihren schweren Verletzungen gestorben. Am Donnerstag wurde dieser Fall vor dem Amtsgericht verhandelt.

Ihr Mann, der ebenfalls von dem Laster erfasst worden war, blieb unverletzt. Der Fahrer des Lkw, ein 50-Jähriger aus dem Werra-Meißner-Kreis, musste sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Er kam mit einer Geldbuße davon, es zeigte sich, dass die alte Dame beim Überqueren der Straße unvorsichtig gewesen war.

Der Angeklagte hatte nach dem Unfall unter Schock gestanden, noch tagelang danach plagten ihn Albträume. „Immer wieder erschienen vor meinen Augen die gleichen Bilder, ich hätte es so gern rückgängig gemacht“, sagte der Berufskraftfahrer, der seit 26 Jahren in diesem Job arbeitet. Erst als ihn sein Arbeitgeber nach dem Unglück überredete, setzte er sich wieder hinters Lenkrad.

An jenem Tag war er vom Holländischen Platz kommend in Richtung Katzensprung unterwegs, an der dortigen Ampel staute sich, wie so oft, der Verkehr. Der 50-Jährige hielt - obwohl er Grün hatte - schon an der Einmündung der Artilleriestraße, um die dortige Ausfahrt nicht zu blockieren. Allerdings stand er mit den Vorderrädern des Lkw bereits auf dem Fußgängerüberweg, dessen Ampel noch Rot zeigte. Als die Ampel für die Fußgänger auf Grün schaltete, sah der Fahrer kurz in seine Spiegel, winkte noch eine Pkw-Fahrerin aus der Artilleriestraße heraus und fuhr an. Nach wenigen Metern bemerkte er, wie Bauarbeiter wild gestikulierten. Er hielt an. „Da war es bereits zu spät.“ Er hatte die 79-Jährige etwa zwölf Meter mitgeschleift, sie starb wenig später.

Sie muss mit ihrem Mann losgelaufen sein, als die Ampel auf Grün umsprang, obwohl der Lkw zu dem Zeitpunkt noch den Fußgängerweg blockierte. Warum der Fahrer, der insgesamt drei Spiegel - unter anderem einen, der einen senkrechten Blick neben das rechte Vorderrad ermöglicht - zur Verfügung hat, die beiden nicht sah, konnte nicht geklärt werden. „Bei Benutzung des Spiegels im richtigen Moment, wäre die Frau erkennbar gewesen, doch wann ist der richtige Moment?“, sagte Kfz-Sachverständiger Martin Prillwitz gestern vor Gericht. Der Angeklagte beteuerte, er habe, bevor er losgefahren sei, alle Spiegel kontrolliert, aber partout nichts gesehen.

„Die Fußgänger hätten in dieser Situation nicht die Straße überqueren dürfen“, sagte Richterin Schiborr, der verunglückten Frau sei ein „erhebliches Mitverschulden“ vorzuwerfen. Sie stellte deshalb das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße von 2000 Euro ein, ermahnte den Fahrer jedoch, künftig zu bedenken, dass es „unvorsichtige Fußgänger“ gibt. (pas)

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