Gericht gibt psychiatrisches Gutachten in Auftrag

Prozess um sexuelle Nötigung: Ist das Opfer glaubwürdig?

Kassel. Ein vom Landgericht Kassel in Auftrag gegebenes Gutachten soll klären, ob eine Frau glaubwürdig ist, die einen Mann wegen sexueller Nötigung angezeigt hat.

Der 39-Jährige aus Kassel ist von der Staatsanwaltschaft angeklagt wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung. Im Mai 2009 soll er die heute 31 Jahre alte Frau laut Anklagebehörde in ihrer Wohnung mit Gewalt zu sexuellen Handlungen, unter anderem zum Oralverkehr, gezwungen haben.

Das Verfahren vor der 4. Strafkammer des Landgerichts hatte Anfang August begonnen. Waren zunächst nur drei Termine für den Prozess angesetzt, so werden es jetzt noch weitere vier Verhandlungstage sein. Auch das hängt mit dem Gutachten und der bisherigen Beweisaufnahme zusammen.

Nach dem Beschluss der Kammer soll nunmehr ein psychiatrisches Gutachten zur Glaubwürdigkeit der Angaben der Kasselerin eingeholt werden. Wann das Gutachten vorliegen soll, steht nach Angaben von Dr. Christian Springmann vom Landgericht noch nicht fest. Mit Blick auf die weiteren Termine – Fortsetzung am 7. und 29. September, am 19. Oktober und 9. November – verstehe es sich von selbst, dass das Gutachten zeitnah vorliegen müsse, sagte er auf HNA-Anfrage.

Hintergrund der neuen Lage: Der Angeklagte hatte ausgesagt, die heute 31-jährige Frau nicht berührt zu haben. Er habe die Frau an dem besagten Abend, an dem es Streit gegeben habe, auch nicht geschlagen. Im Streit sei es unter anderem darum gegangen, dass die Frau damals das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen vierjährigen Sohn verlangt habe.

Die heute 34-jährige Schwester, mit der er drei Kinder hat, habe mal gesagt, die Schwester lüge. Diese Frau hatte vor Gericht gesagt, ihre Schwester sei „nicht immer ehrlich“. Sie könne sich vorstellen, dass ihre Schwester lüge. Als sie gehört habe, der Angeklagte habe ihre Schwester sexuell genötigt, da habe sie es nicht geglaubt.

Die Vernehmung der 31-jährigen Frau unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte über drei Stunden gedauert. Sie war unter Tränen aus dem Saal des Landgerichts gekommen. Jetzt haben die Gutachter das Wort.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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