Birgit und Willi W. aus Hessisch Lichtenau

Opfer des Poller-Anschlags auf der B7: „Fassungslos und wütend“

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Außen kaum sichtbar: Thomas Hopf vom Abschleppdienst Klein (Fuldatal) schaute sich am Montag den Wagen an. Der Poller schlug direkt vor ihm auf der B 7 auf. Geringe Spuren davon sieht man an der Stoßstange, die Hauptschäden sind unter dem Auto.

Vellmar / Hessisch Lichtenau. „Wir haben einen wunderschönen Abend bei den Pfadfindern in Immenhausen verbracht. Entsprechend gefreut haben wir uns auf dem Heimweg“, erzählt Birgit W. Es ist am späten Samstagabend, als die 56-jährige Frau mit ihrem Mann Willi im Auto sitzt.

Sie wollen von Immenhausen nach Hessisch Lichtenau fahren. Auf der Bundesstraße 7.

Um 23.30 Uhr sind die beiden mit ihrem blauen Seat Ibiza in Höhe von Vellmar-Mitte, als Birgit W. den Mann auf der Fußgängerbrücke sieht. „Ich habe noch zu meinem Mann gesagt, wie kann man da nur so blöd rumhampeln. Das macht doch anderen Menschen Angst. In dem Moment hat es schon geknallt.“

Birgit W. erzählt, dass sie froh ist, dass ihr Mann am Steuer saß. „Er hat superschnell reagiert.“ Der 15 Kilogramm schwere Poller schlägt direkt vor dem Seat auf der Fahrbahn auf und beschädigt diesen äußerlich nur an der Stoßstange. Willi W. fährt dann mit dem Wagen darüber und bringt diesen wenige Meter später auf dem Seitenstreifen zum Stehen.

Das Paar steigt aus dem Auto und sieht noch, wie der Mann von der Fußgängerbrücke Richtung Parkstraße davonläuft. Der 56-jährige Willi W. stößt Schimpfworte in die Richtung des Mannes aus. Und reagiert wieder besonnen. Um keine Spuren an der Tatwaffe zu verwischen, schiebt er den Poller vorsichtig mit dem Fuß zu Seite.

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Auch zum Schutz der anderen Fahrzeuge. Da das Ehepaar bei einem Pfadfindertreffen gewesen ist, bei dem Handys verpönt sind, hat es kein Mobiltelefon dabei. Die beiden versuchen, ein Auto anzuhalten. „Fünf bis sechs Wagen sind erst einmal an uns vorbeigefahren, bis drei junge Männer angehalten und uns geholfen haben.“ Das Paar aus Hessisch Lichtenau alarmiert die Polizei, die sofort eine Zivilstreife schickt, um nach dem Täter zu suchen.

Erst als der Abschleppwagen kommt, wird den beiden allmählich bewusst, was sie für ein großes Glück gehabt haben. „Wären wir fünf Kilometer pro Stunde schneller gefahren, dann wären wir wohl beide tot“, sagt Birgit W. Sie sagt, dass ihr Mann mit Tempo 80 unterwegs gewesen ist.

Fotos vom Tatort

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Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen, die davon erfahren, was dem Paar widerfahren ist, reagieren mit Fassungslosigkeit. „Ich bin fassungslos und wütend“, sagt Birgit W. Oft könne man ja Verständnis für einen Menschen aufbringen, der eine Straftat begeht. Wenn zum Beispiel jemand im Streit einen anderen umhaue.

Für den Pollerwerfer hat sie kein Verständnis. „Es kann mir niemand sagen, dass er nicht weiß, was er mit so einem Wurf anrichten kann. Das Motiv ist mir da ziemlich egal.“

Birgit und Willi W. hoffen, dass die Polizei den Täter überführen wird. Beide haben sich auch schon wieder hinters Steuer gesetzt. „Das ist wie beim Reiten. Wenn man einmal vom Pferd fällt, muss man wieder aufsteigen“, sagt die 56-Jährige.

Sie weiß allerdings auch, welch Glück ihr Mann und sie gehabt haben. „Unser Schutzengel, der hat super Arbeit geleistet.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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