25-Jähriger soll Freundin gewürgt haben

Opfer schwänzt Prozess - Gericht vertagt Verhandlung

Kassel. Bereits zum zweiten Mal ist vor dem Kasseler Amtsgericht der Prozess gegen einen 25-Jährigen geplatzt, der seine Ex-Freundin fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben soll. Wie schon beim ersten Anlauf im November erschien die junge Frau auch am Dienstag nicht zur Verhandlung.

Und das obwohl gegen sie damals bereits ein Ordnungsgeld von 150 Euro verhängt worden war.

Warum die Hauptbelastungszeugin erneut schwänzte, ist nicht sicher. Eine Vermutung liegt allerdings nahe: Wie der Angeklagte freimütig berichtete, ist aus der Ex-Freundin mittlerweile wieder seine Lebensgefährtin geworden. Und als solche möchte die Frau wohl nicht allzu gerne erzählen, was sich an einem Sommertag 2012 vor der Agentur für Arbeit in Kassel zugetragen haben soll. Denn das könnte, wenn sich die Vorwürfe der Anklage bestätigen würden, ihren Jetzt-wieder-Freund sogar hinter Gitter bringen.

Laut Staatsanwaltschaft soll der 25-Jährige die Frau an jenem Tag „so lange gewürgt haben, bis diese Atemnot erlitt und ihr schwarz vor Augen wurde“. Als gefährliche Körperverletzung ist das angeklagt. Mindeststrafe: sechs Monate.

Gleichwohl beteuerte der Angeklagte, dass er sich das Fehlen der Zeugin nicht erklären könne. Noch am Morgen hätten sie sich gesehen, nach einer gemeinsam verbrachten Nacht. „Sie wollte eigentlich mit mir kommen“, sagte er. Was sie dann jedoch nicht tat. Sondern sich offenbar lieber tot stellte: Als Richterin Ferchland die Frau aus dem Gerichtssaal anzurufen versuchte, war nur die Mailbox zu erreichen.

Die Folge: Das Ordnungsgeld wurde auf 300 Euro verdoppelt – und es wurde angeordnet, dass die Zeugin beim neuen, dritten Prozesstermin am 7. Februar von der Polizei abgeholt und ins Gericht gebracht werden soll.

Die mutmaßlich belastende Aussage gegen ihren Lebensgefährten will und kann der jungen Frau niemand ersparen: Gefährliche Körperverletzung ist ein sogenanntes Offizialdelikt, das die Staatsanwaltschaft von Amts wegen verfolgen muss. Auch wenn das Opfer seinen Strafantrag zurückzieht. (jft)

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