Sorgen bereitet vermehrter Konsum von „Legal Highs“

Opferzahl in Kassel gestiegen: In diesem Jahr gab es schon 14 Drogentote

Kassel. Für dieses Jahr zeichnet sich ein weiterer Anstieg von Drogentoten in Kassel ab. Die Opfer sind immer älter. Und: Die Dunkelziffer ist hoch.

„Schon jetzt wissen allein unsere Mitarbeiter von 14 Menschen, die in diesem Jahr in der Folge illegalen Drogenkonsums gestorben sind“, sagt Claudia Roersch, die Leiterin des Nautilus-Verbunds der Drogenhilfe Nordhessen. Erst Ende des Jahres würden sämtliche Stellen, die mit Drogenkranken arbeiteten, ihre Zahlen abgleichen.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Drogentoten um mehr als ein Drittel auf 30 angestiegen. In den Vorjahren lag die Zahl im Durchschnitt zwischen 15 und 20 Todesfällen. „Ich befürchte, dass wir in diesem Jahr mehr als 30 Tote haben werden“, sagt Roersch.

Dabei handele es sich zunehmend um ältere Drogenkonsumenten, die über längere Zeit substituiert wurden und jetzt am Versagen von Organen oder anderen Folgeschäden sterben. Das Methadon führe dazu, dass die Menschen länger lebten. Sie seien aber durch den Konsum verschiedener Drogen oft psychisch und körperlich stärker gealtert. Von den 30 Drogentoten 2016 waren 25 älter als 40 Jahre. Sie stürben häufig einsam und in sozialer Isolation. Die Zahl der Opfer, die sich eine Überdosis Heroin gesetzt haben, sei dagegen rückläufig.

Sorgen bereitet den Fachleuten der Drogenhilfe Nordhessen die Zunahme des Konsums sogenannter „Legal Highs“, synthetischer Drogen, die legal im Internet bestellt werden können. Sie seien vor allem bei Jugendlichen beliebt. Das Gefährliche sei, dass man nicht genau wisse, woraus die als Badesalz oder Raumduft verkauften Substanzen bestehen. Im Notfall hätten Ärzte kein Gegenmittel parat. Es sei in Folge des Konsums dieser legalen Substanzen schon zu Todesfällen gekommen. „Auch uns sind zwei solcher überraschenden Todesfälle bekannt“, sagt die Geschäftsführerin der Drogenhilfe, Angela Waldschmidt.

Rubriklistenbild: © dpa

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