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Orangerie in Kassel schließt vorerst: Sanierung bis zu 20 Millionen Euro teuer

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Von: Bettina Fraschke

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Eine lange Schließung ist absehbar: Die Orangerie in der Karlsaue in Kassel muss wohl generalsaniert, energetisch aufgerüstet und mit zeitgemäßer Technik ausgestattet werden. 

Kassel – Das kündigte MHK-Direktor Martin Eberle im städtischen Kulturausschuss an. Er hält dafür eine acht- bis zehnjährige Schließungszeit für realistisch. Für die Präsentation der Astronomisch-Physikalischen Sammlung und das Planetarium müsse eine Lösung gefunden werden.

Je nachdem, wie das Gebäude später genutzt werden soll, entstehen unterschiedliche Kosten. Eberle spricht von 19,8 Millionen Euro bei einer museumsgeeigneten Sanierung plus 4,9 Millionen Euro Nebenkosten. 14,8 Millionen Euro würde eine Generalsanierung für eine künftige Nutzung als Orangerie kosten plus 3,7 Millionen Euro Nebenkosten. Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen LBIH hatte dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Vor Sanierungsbeginn muss die Grundsatzfrage über die künftige Nutzung geklärt werden, Eberle betonte in diesem Zusammenhang, dass nicht er das zu entscheiden habe.

Orangerie in Kassel schließt vorerst – Gastronomie bleibt offen

Veranstaltungen und Feiern im Saal der Orangerie in der Karlsaue sind in diesem Jahr von Schließungs- und Sanierungsplänen nicht betroffen. Das stellt Gastronom Rainer Holzhauer (Grischäfer) nach Rücksprache mit der Museumslandschaft Hessen Kassel klar. Er betreibt in dem Schlossgebäude die Gastronomie und vermietet den Saal für Hochzeiten und andere Feste.

Alle geplanten Termine 2023 können unbeeinträchtigt stattfinden, sagt er. Auch das Osterbrunch am Ostersonntag und Ostermontag wird wie geplant über die Bühne gehen.

Unklar ist, ob zu Saisonbeginn das Marmorbad öffnen kann. Dort seien kürzlich zwei Marmorplatten von der Wand gefallen. Auch anderswo bei der MHK gebe es Sanierungsbedarf, Eberle nannte die Betonbrücken in der Karlsaue sowie das Aquädukt und die Teufelsbrücke im Bergpark. In den Gebäuden werde eine energetische Ertüchtigung, die für alle Liegenschaften des Landes vorgesehen ist, viele Ressourcen verschlingen.

Die Orangerie in der Karlsaue in Kassel.
Vor einer Generalsanierung: die Orangerie in der Karlsaue in Kassel. © Pia Malmus

Angesichts der Sorge in der Bevölkerung, ob das Planetarium dauerhaft schließen werde, betonte der MHK-Chef, das sei nie vorgesehen gewesen. Die Astronomisch-Physikalische Sammlung soll im Zusammenhang bestehen bleiben, versicherte er – egal, wo sie hinkomme. Sie bestehe seit 400 Jahren und habe Weltrang. Eine dauerhafte Verlagerung von APK und Planetarium, etwa ins Landesmuseum, könne schneller umgesetzt werden als eine Interimslösung.

Grundlegende Weichenstellungen für die Orangerie müssen getroffen werden. Bleibt sie nach einer absehbar mehrjährigen Sanierung Museumsstandort? Oder wird die Sammlung des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts künftig anderswo gezeigt?

Die Vorgeschichte der Orangerie in Kassel

Seit März 2021 ist das Astronomisch-Physikalische Kabinett in der Orangerie geschlossen – die Brandschutzanlage war ausgefallen. Eine technische Prüfung habe dann ergeben, daran erinnerte MHK-Direktor Martin Eberle im städtischen Kulturausschuss, dass alle technischen Anlagen überprüft werden müssten.

Seit November 2022 ist auch das Planetarium nicht mehr zugänglich. Grund ist der Weggang des verantwortlichen Technikers. Bewerbungsgespräche für eine Neubesetzung der Stelle hätten bereits stattgefunden, so Eberle, „ich schließe das Planetarium in der Winterzeit zur Hauptsaison nicht ohne Grund.“

Das Astronomisch-Physikalische Kabinett beherbergt eine Sammlung von landgräflichen Messinstrumenten mit Objekten der Astronomie- und Technikgeschichte. Im Zusammenhang mit dem Planetarium wird deutlich, wie sich durch Forschung das kopernikanische Weltbild entwickelt hat, das die Sonne ins Zentrum des Universums stellt. Einige dieser Objekte stehen als Kopien in den führenden naturwissenschaftlichen Museen der Welt, etwa im Smithsonian Institution in Washington, D.C.

Orangerie in Kassel: Sorgen und Möglichkeiten

Überlegungen des MHK-Chefs, die Orangerie wieder als solche zu nutzen und die astronomisch-physikalische Sammlung in der kurfürstlichen Schatzkammer zu zeigen, haben seit 2021 Sorgen bei Wissenschaftlern der Uni und in der Bevölkerung ausgelöst, die Sammlung des APK könne aufgelöst, künftig lediglich einzelne Prunkstücke ohne den wissenschaftlichen Kontext gezeigt werden. Erst vor wenigen Wochen haben 170 Unterzeichnern einen Offenen Brief an den Ministerpräsidenten geschickt.

Im Kulturausschuss sprach Martin Eberle zwei grundsätzlich unterschiedliche Möglichkeiten an. Entweder man finde einen dauerhaften neuen Standort für APK und Planetarium, oder man suche eine Interimslösung, um beides nach einer Generalsanierung wieder in der Orangerie zu platzieren. „Die Sammlung soll im Zusammenhang bleiben“, sagt er, „sie hat Weltrang, die gibt man nicht auf“. Denkbar wäre, sie ins Landesmuseum zu holen. Die Entscheidung darüber werde in Wiesbaden getroffen, betont MHK-Sprecherin Lena Pralle, das Gutachten soll eine Entscheidungshilfe sein.

Land Hessen will bis 2030 klimaneutral werden

Die hessische Landesregierung hat das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden, alle Landeseinrichtungen müssen entsprechend energetisch aufgerüstet werden. In Kassel ist davon aktuell auch das Opernhaus betroffen, das im Zuge der Sanierung der Bühnentechnik mit fit gemacht werden soll. Lena Pralle bestätigt, dass auch die Museumsstandorte entsprechend hergerichtet werden müssen – neben den zahlreichen baulichen Sanierungen der MHK ein weiterer finanzieller Kraftakt. Das Finanzministerium hat eine Presseanfrage der HNA nicht beantwortet.

Im Landesmuseum gibt es derzeit eine problematische Situation mit der Beleuchtung. Das zur Neueinrichtung 2016 angeschaffte Lichtsystem geht immer mehr kaputt, alle Restbestände des Herstellers sind bereits angekauft worden, so Pralle. Absehbar sei aber, dass eine neue Beleuchtung angeschafft werden muss. Kosten: 1,2 Mio. Euro. (Bettina Fraschke)

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