Ordnungsamt: Nicht nur Kampfhunde werden auffällig

Auch er gilt als aggressiv: Ein Pitbull Terrier, hier beim Rennen.

Kassel. Die Hundeverordnung mit der Rassenliste hat in Kassel bisher nicht zu einem deutlichen Rückgang der Beißattacken geführt. Zwar registrierte das städtische Ordnungsamt im vergangenen Jahr nur zwei Fälle, in denen aggressive Hunde einen Menschen verletzten und daraufhin überprüft wurden.

Als die Verordnung 2002 eingeführt wurde, gab es zehn Vorfälle. Allerdings schwanken die Zahlen von Jahr zu Jahr stark (siehe Grafik).

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„Man kann keinen Trend ablesen“, sagt Bernd Kessler vom Ordnungsamt. Die hessenweite Verordnung, die bei Hundehaltern und -züchtern auch auf Kritik stößt, habe dennoch etwas gebracht. Mit ihr habe die Ordnungsbehörde ein Instrument an die Hand bekommen, um gegen gefährliche Hunde gezielt vorzugehen. Auch bei einer Häufung kleinerer, vermeintlich unspektakulärer Vorfälle wie Drohgebärden könne man einen Wesenstest anordnen. „Diese Möglichkeit, präventiv tätig zu werden, gab es vorher so nicht“, sagt Kessler.

Kuscheliger Anblick: Der kaukasische Owtscharka steht auch auf der Liste.

Auffällig sei, dass die auf der Liste stehenden sogenannten Kampfhunde nicht unbedingt die bissigen sind. Die meisten Vorfälle gibt es gemäß der Statistik des Ordnungsamtes bei den Rassen Rottweiler (seit 2009 auf der Liste) und dem nicht als gefährlich angesehenen Schäferhund.

Während Rottweiler in Kassel mehrfach auch Kinder gefährlich verletzt hätten, seien die Übergriffe von Schäferhunden meist weniger gravierend gewesen. Dass Schäferhunde relativ häufig in Erscheinung träten, so Kessler, hänge auch damit zusammen, dass schlicht viele dieser Tiere gehalten werden.

Noch nicht lange dabei: Der Rottweiler steht seit 2009 auf der Liste.

Nach den Erfahrungen des Ordnungsamtes, so Kessler, seien die Beißvorfälle weniger auf die Rassezugehörigkeit zurückzuführen, sondern Folge unsachgemäßer Haltung. „In 90 Prozent der Fälle ist der Hundehalter das Problem, und nicht das Tier.“

Auch wenn seit der Einführung der Verordnung die Zahl der erlaubnispflichtigen Hunde nach Angaben des Ordnungsamtes relativ konstant geblieben ist - in den vergangenen Jahren waren es in Kassel zwischen 120 und 140 Tiere - , werde es in den nächsten Jahren vermutlich zu einem Rückgang sogenannter Kampfhunde kommen, glaubt Bernd Kessler.

Der Altersdurchschnitt der gemeldeten Hunde sei relativ hoch. Ein Großteil davon sei den Sachbearbeitern seit Jahren bekannt. Kessler vermutet, dass die Halter sich nach dem Tod ihrer Tiere nicht alle neue als gefährlich geltende Rassehunde anschaffen. „Die Auflagen schrecken schon ab.“

Auf der Rasseliste: Der American Staffordshire Terrier.

Für Hunde, die einer auf der Liste aufgeführten Rassen angehören, muss eine Wesensprüfung vorgenommen werden. Das Gespann von Hund und Herrchen oder Frauchen muss sich zusätzlich einer Sachkundeprüfung unterziehen. Insgesamt Kosten von mehreren hundert Euro.

Ein erhöhter Steuersatz wird für die Listenhunde in Kassel nicht erhoben.

Von Katja Rudolph

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