Ortsbeirat und Anlieger wehren sich

Trinkraum: Heftiger Widerstand gegen Hansa-Haus als neuen Standort

Trinkraum neben Traumbraut? Der Treffpunkt für alkoholkranke Menschen soll nach Vorstellung von Bürgermeister Kaiser ins Hansa-Haus verlegt werden. Foto: Ludwig

Kassel. Wieder gibt es Ärger um den Trinkraum: Wie berichtet, will Bürgermeister Kaiser den betreuten Treffpunkt für Alkoholkranke jetzt im Hansa-Haus ansiedeln. Damit hätte er wie angekündigt ab dem Herbst den provisorischen Container hinter der Hauptpost durch einen festen Standort ersetzt.

Allerdings gibt es massiven Widerstand aus dem Stadtteil gegen das Vorhaben. Es liegen bereits 200 Unterschriften von Gegnern vor. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ein Wohngebiet mit Spielplatz, im selben Haus hat ein marokkanischer Verein seine Moschee, und auch ein Brautmodengeschäft fürchtet um seine Existenz, sollte direkt daneben der Trinkraum einziehen.

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Sachlich, aber bestimmt haben der Ortsbeirat Wesertor und Bürgermeister Kaiser am Mittwochabend eine Stunde lang über das Thema diskutiert. Am Ende lehnten die Stadtteilvertreter den Standort einstimmig ab. Dieses Votum ist für die Stadtverwaltung allerdings nicht bindend.

Der Standort sei völlig ungeeignet, waren sich die Ortsbeiratsmitglieder und die Anlieger einig, die zur Sitzung gekommen waren. Konflikte seien programmiert. „Wir wollen hier keinen sozialen Brennpunkt“, sagte Werner Siebert aus dem Töpfenmarkt. Vor allem um die Kinder auf dem Spielplatz mache er sich Sorgen. Dieter Schmidt vom Geschäft „Traumbraut“ befürchtet, dass die Nachbarschaft zu einem Treffpunkt der Trinkerszene den finanziellen Ruin für den Laden bedeuten könnte.

Provisorischer Trinkraum - er soll nun durch eine Dauerlösung ersetzt werden.

Als unmoralisch bezeichnete Mohamed Fadil vom Moscheeverein das Vorhaben der Stadt, den Trinkraum über der Moschee einzurichten. Der Konsum von Alkohol ist im Islam verboten. Kaisers Plan sei ein Affront gegen den Moscheeverein, sagte auch Stadtrat Henrik Jordan, Vizevorsitzender der SPD Wesertor. „Das ist, als wenn man im Petersdom zu Rom eine Kneipe eröffnen würden.“ Ob es noch zu einer Nachbarschaft von Trinkraum und Moschee käme, ist allerdings unklar: Dem Verein ist vom Vermieter, der Bubis Grundstücksverwaltung GmbH (Frankfurt), bereits zu Ende August gekündigt worden. Hintergrund war eine Nachzahlungsforderung des Vermieters, die der Verein verweigert hatte, weil er seit zwei Jahren auf eine zugesagte Sanierung wartet.

Neben der Einwände gegen den Standort erntete Kaiser auch deutliche Kritik für seine Informationspolitik. Erneut hätten alle Betroffenen nur über Dritte von den Plänen erfahren, sagte der stellvertretende Ortsbeiratsvorsitzende Armin Schreier (Grüne). Erst vor zwei Wochen habe der Bürgermeister den Ortsbeirat offiziell informiert. Bei einem so brisanten Thema hätte man frühzeitig in die Diskussion eingebunden werden müssen, sagte Schreier. Zumal der Ortsbeirat bei dem zunächst als Trinkraum ins Auge gefassten Standort im Altmarkt-Hochhaus ebenfalls übergangen worden sei.

Das sagt Jürgen Kaiser: "Keine Gefahr"

An seinem jetzigen Standort auf Zeit, dem Container auf dem Feuerwehrparkplatz, funktioniere der Trinkraum sehr gut, sagt Bürgermeister Kaiser. Er werde von 50 bis 80 Menschen genutzt. Eine Gefahr gehe von den Nutzern nicht aus, trat er den Bedenken der Anwohner entgegen.

Die bisherige Erfahrung zeige, dass die Besucher die ihnen auferlegten Regeln akribisch befolgten, weil sie das Angebot schätzten und nicht aufs Spiel setzen wollten. Dass es zu Konflikten kommen könnte, sei ihm bewusst. Er sei aber sicher, dass man diese lösen könne. „Und wenn wir feststellen, dass es nicht funktioniert, ist es ein Leichtes zu sagen, wir stellen es ein.“

Kaiser betonte, dass der Trinkraum ein auf ein Jahr befristetes Pilotprojekt sei. Es sei also keineswegs so, dass der Trinkraum dauerhaft im Hansa-Haus bleiben müsse. Bisher sei noch kein Mietvertrag unterschrieben. Wo genau im Haus der Trinkraum einziehen solle, sei ebenfalls offen. (rud)

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