Aufklärung eines Rätsels

Ortsschilder in Kassel stehen nicht an der tatsächlichen Stadtgrenze

+
Es markiert nicht die Stadtgrenze: Das Ortsschild in Bad Wilhelmshöhe.

64 Ortsschilder begrüßen oder verabschieden Autofahrer in Kassel. Doch diese stehen nicht an der tatsächlichen Stadtgrenze. Warum ist das so? Wir haben nachgefragt.

Die Stadt Kassel macht sich kleiner, als sie ist: Dies könnte man zumindest mit Blick auf die insgesamt 64 Ortsschilder meinen, die die Autofahrer aus der Stadt verabschieden beziehungsweise begrüßen. Sie stehen in der Regel weit vor den tatsächlichen Grenzen der Kommune.

HNA-Leser Rouwen Diegler wunderte sich schon länger über derartige Bescheidenheit.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Ortsschild – das offiziell Ortstafel heißt – an der Wilhelmshöher Allee. Es steht in Höhe der Kurhessen Therme. So würden Auswärtige doch den Eindruck bekommen, der Bergpark gehöre nicht mehr zu Kassel, findet Diegler. Weitere Beispiele seien die Druseltalstraße und die Dresdener Straße, wo die Schilder ebenfalls nicht die politischen Grenzen markierten. Aber warum ist das so? Ein Schildbürgerstreich?

Rathaussprecher Michael Schwab kann beruhigen. Innerhalb der Stadt müsse zwischen drei verschiedenen Grenzen unterschieden werden. Bei der Gemeindegrenze handele es sich um die politische Gliederung: Diese bezeichnet alle Flächen, die zur Stadt Kassel gehören.

Daneben gebe es die Grenzen, die durch Ortsschilder markiert werden. „Sie haben mit Gemeindegrenzen wenig zu tun“, so Schwab. Ortstafeln würden anzeigen, wo eine „geschlossene Ortschaft“ beginnt oder endet. Dies habe rein verkehrsrechtliche Bedeutung – zum Beispiel für Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Kassels Stadtgrenzen. Zum Vergrößern bitten oben rechts klicken.

Die Schilder seien nach der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (StVO) dort aufzustellen, wo die geschlossene Bebauung auf einer der beiden Seiten der Straße erkennbar beginnt oder endet. Einzelne Baulücken seien dabei außer acht zu lassen, so Schwab.

Neben der politischen Grenze der Kommune und der Abgrenzung der „geschlossenen Ortschaft“ gibt es noch sogenannte Ortsdurchfahrten. Dies sind Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, die innerhalb einer Gemeinde liegen, für die aber Land, Bund oder Kreis zuständig sind. Diese Ortsdurchfahrten werden durch kleine Hinweis-Steine am Fahrbahnrand gekennzeichnet.

Gestern vor genau 20 Jahren erhielt die Stadt Kassel übrigens die offizielle Erlaubnis vom hessischen Innenminister, sich als „documenta-Stadt Kassel“ zu bezeichnen. Dies steht seitdem auf allen Ortseingangsschildern.

Lesen Sie außerdem: Geld für Sanierungen: 180 Millionen für Kassels Schulen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.