Oscar für Sprengstoffsucher

Kasseler Firma räumt Preise in USA ab: Neuartige Technik zum Durchleuchten von Briefen

Kassel / San Francisco. Der Kasseler Bahntechnik-Hersteller, Autozulieferer und Technologie-Entwickler Hübner hat in San Francisco gleich zwei der weltweit begehrten Photonic-Preise im Rahmen des Wettbewerbs „Prism Award“ gegen starke Konkurrenz aus aller Welt abgeräumt. In Wissenschaftskreisen gilt dies als Sensation.

Die Photonic beschreibt komplexe optische, meist Laser-gestützte Verfahren in Forschung, Medizin und industriellen Fertigungsprozessen.

Der Prism Award, der seit 2008 in elf Kategorien vergeben wird, ist der weltweit bedeutendste Preis seiner Art und in Branchenkreisen auch als Photonic-Oscar bekannt. Beide Preise nahm der geschäftsführende Gesellschafter der Hübner-Gruppe, Reinhard Hübner, entgegen.

Den ersten Preis in der Kategorie Sicherheit erhielt Hübner für sein sogenanntes Terahertz-Spektrometer „T-Cognition“ (Erkennen). Dabei handelt es sich um einen neuartigen, Kopierer-großen Detektor zum Aufspüren von Sprengstoffen und Drogen in Briefsendungen. Der Clou: Die Briefe werden weder geöffnet noch beschädigt. Damit bleibt das Postgeheimnis in vollem Umfang gewahrt.

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Das sehr kompakte Gerät, das die Sendungen in Sekundenschnelle mit Laser-Wellen abscannt (abtastet), kann in Behörden, Poststellen, Botschaften, Justizvollzugsanstalten, Gerichten und beim Zoll eingesetzt werden. Es dürfte die Welt angesichts der anhaltenden Terrorgefahr ein Stück sicherer machen.

Hübner hat den T-Cognition gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) in Kaiserslautern und Freiburg entwickelt. Dessen Leiter, Professor Dr. Karsten Buse, kommentierte den Preis mit den Worten: „Das System T-Cognition zeigt, dass die noch recht junge Terahertz-Technologie nun reif ist für industrielle Anwendungen.“ Firmenchef Hübner war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er hält sich noch in den USA auf.

Terahertz-Technologiebedeutet, dass das Gerät in einer einzigen Sekunde mindestens eine Billion Signale aussendet. Das ist eine Zahl mit zwölf Nullen nach der eins (1 000 000 000 000).

Und das Laser-Gerät namens namens C-Wave (C-Welle), für das Hübner den ersten Preis in der Kategorie „Wissenschaftlicher Laser“ erhalten hat, bezeichnet Buse sogar als „echte Weltneuheit auf dem Gebiet der Laser-Technologie“. Es macht das gesamte Spektrum von Laserwellen sichtbar und das bislang notwendige Auswechseln von Laser-Medien und Komponenten in bisherigen Apparaturen überflüssig. Eingesetzt wird es vornehmlich in Forschung und Entwicklung.

Von José Pinto

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