„Die Gedanken sind frei“

Ostermarsch: 400 Menschen demonstrierten für den Frieden

300 Friedensaktivisten auf dem Weg zum Rathaus: Vom Bebelplatz über die Friedrich-Ebert-Straße und die Fünffensterstraße ging es gestern zur Kundgebung. Fotos:  Malmus

Kassel. „Die Gedanken sind frei.“ Dieses Protestlied, dessen Text um 1780 zum ersten Mal auf Flugblättern veröffentlicht wurde, sangen am Ostermontag rund 400 Frauen und Männer, die sich am Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Weinberg versammelt hatten.

Zuvor hatte Friedensaktivist Rolf Wekeck an ein Kasseler Opfer des Nationalsozialismus erinnert: an Konrad Belz, Mitglied der KPD, der am 7. April 1936 an den Folgen von schweren Misshandlungen starb, die ihm SA-Männer 1933 zugefügt hatten.

Die Kasseler Anhänger der Friedensbewegung hatten den Marsch durch die Stadt an zwei Orten begonnen: 100 Menschen waren vom Kulturzentrum Schlachthof zum Rathaus marschiert, die anderen 300 waren am Bebelplatz gestartet. „Kampfdrohnen verbieten, Kriege verhindern“, „Stoppt die Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien“ stand auf den Transparenten. Fahnen der DKP waren ebenso wie „Atomkraft, nein danke“ zu sehen.

Zwei Israel-Flaggen

Ungewöhnlich bei dieser Ansammlung von linksorientierten Demonstranten waren vier Jugendliche, die abseits des Demonstrationszuges auf der Friedrich-Ebert-Straße mit zwei Israel-Flaggen mitliefen.

Redeten für den Frieden: Rolf Wekeck und Ulrike Jakob, die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von VW.

Bei der Kundgebung vorm Rathaus trat als Hauptrednerin Ulrike Jakob, die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von VW, auf. Deutschland sei nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur weltweit, sagte sie. Und die Bundesregierung lasse es zu, dass Waffen in Entwicklungsländer und Staaten geliefert würden, die gegen die Menschenrechte verstießen. Saudi-Arabien und Israel seien beispielsweise Staaten, die „niemals deutsche Waffen bekommen dürften“, sagte Jakob, die einen „schleichenden Militarismus in der Gesellschaft“ kritisierte.

Die Mehrheit der 80.000 Menschen, die in Deutschland in der Rüstungsindustrie arbeiteten, würde wohl gern von militärischer auf zivile Produktionen  umstellen, war sich die Gewerkschafterin sicher. Solch eine Umstellung funktioniere aber nur mit und nicht gegen die Beschäftigten. Jakob gab ein Beispiel, „das Mut macht“: Ehemalige Beschäftigte des militärischen Schiffbaus setzten ihr Wissen mittlerweile ein, um Windkraftwerke im Meer zu bauen.

Ostermarsch in Kassel

Jakob ging in ihrer Rede auf so gut wie jede kriegerische Auseinandersetzung in der Welt ein. Zudem bekräftigte die Betriebsrätin die Solidarität mit der Familie Yozgat in Kassel. Halit Yozgat war im April 2006 in seinem Internetcafé an der Holländischen Straße von rechtsextremen Terroristen des Nationalsozilistischen Untergrundes (NSU) erschossen worden. Sein Vater arbeitet bei VW in Baunatal. „Wir stehen fest an der Seite der Familie und werden es weiter tun.“

Das Ende des engagierten Redebeitrags bekam allerdings nur noch etwa die Hälfte der Friedensaktivisten mit. Es war zwar sonnig an diesem Ostermontag, aber immer noch sehr kalt.

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