Osterspaziergang im Müll: Mit den Stadtreinigern durch die Buga

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Sie machen das Buga-Gelände wieder sauber: Mitarbeiter der Stadtreiniger waren gestern Morgen viereinhalb Stunden unterwegs und sammelten acht Kubikmeter Müll ein.

Kassel. Der Müll auf dem Buga-Gelände ist ein Aufreger: „Für viele ist das einfach nur ein Spaß“, sagt Dirk Schulz. „Die feiern hier, lassen ihren Müll liegen, und am nächsten Tag kommen sie wieder und alles ist sauber.“

So als ob über Nacht die Heinzelmännchen gekommen wären und wieder für eine schöne Landschaft gesorgt hätten. Es sind aber keine Heinzelmännchen, die das Buga-Gelände auch über die Osterfeiertage sauber halten. Es sind Dirk Schulz und seine Kollegen von den Stadtreinigern, die an den Feiertagen im Einsatz waren und mitunter wüste Spuren in dem Erholungsgebiet beseitigten.

Dirk Schulz

Am Montagmorgen sind die Stadtreiniger um 7.30 Uhr an der Buga wieder im Einsatz. Vorher haben die vier Männer bereits die Abfalleimer in der Innenstadt und am Bahnhof Wilhelmshöhe geleert. Die Hauptarbeit liegt noch vor ihnen. Die vielen Menschen, die den Ostersonntag am See verbracht haben, haben einiges zurückgelassen. „Wenn die Leute die Säcke an die Mülleimer stellen, ist das ja in Ordnung“, sagt Dogan Ülger. Das machen aber nicht alle. Zehn Meter von einem halb vollen Müllbehälter entfernt liegen unter einem Baum neben Papptellern und Bechern drei volle Babywindeln. Kann er sich das Verhalten seiner Mitmenschen erklären? „Die Denkweise mancher Leute ist mir ein Mysterium“, sagt Fred Steinmetz.

Steinmetz hat den Ostersonntag selbst mit seiner Familie auf dem Buga-Gelände verbracht. Auch in seiner Freizeit kann der Stadtreiniger nicht aus seiner Haut. „Ich spreche die Leute dann schon an, wenn sie ihren Müll liegen lassen.“ Viele seien dann peinlich berührt und brächten ihre Hinterlassenschaften danach auch in den Abfalleimer. Andere, die mitunter angetrunken seien, reagierten aber auch aggressiv.

Die Reinigungstour gestern Morgen war allerdings nicht so arbeitsintensiv wie am Ostersamstag, sagen die Männer. Am Samstag hätten die Krähen den Müll über der gesamten Rasenfläche verteilt.

Kondition und Kraft gefragt

Vier bis sechs Kilometer legen die Stadtreiniger bei ihrem Reinigungsgang durch die Buga zurück. Wer hier arbeitet, muss auch Kraft haben. Manche Müllsäcke wiegen bis zu 30 Kilogramm, sagt Dogan Ülger. Aus einem Müllsack tropft eine unappetitliche Flüssigkeit. „Die Leute haben heiße Asche in den Sack geschüttet“, sagt Schulz. Viele machten sich gar keine Gedanken, dass das auch gefährlich werden könnte. Dafür holt Steinmetz aus dem Behälter, der für die Entsorgung der Asche vorgesehen ist, Deodorant-Dosen.

Einen richtigen Grill haben die Stadtreiniger gestern Morgen gefunden. Einweg-Grills mögen die Männer gar nicht. Die billigen Aluschalen mit Fettablagerungen bleiben natürlich auf dem Rasen liegen. Acht Kubikmeter Müll haben die Männer in viereinhalb Stunden eingesammelt. Die Menschen, die ihren Dreck überall liegen lassen, würden auch nicht daran denken, dass sie letztlich selbst dafür zahlen müssten, sagt Ülger.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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