Zweieinhalb Jahre für 66-jährigen Betrüger und Bewährung für seine Frau

Pärchen auf Betrugs-Tour

Kassel. Um die 16.800 Euro kassierte der Angeklagte für Laptops und Fernsehgeräte, die er als Messebauer angeblich preiswert beschaffen konnte. Doch wie in der Vergangenheit bereits mehrfach entpuppten sich seine verlockenden Angebote als Betrug.

Die von ihm angepriesenen Geräte gab es nämlich gar nicht. Vor dem Amtsgericht kassierte der 66-Jährige am Freitag dafür zweieinhalb Jahren, seine Frau neben ihm auf der Anklagebank kam wegen Beihilfe mit einer Bewährungsstrafe davon.

Die Rolle der Ehefrau, die laut Anklage als Patientin in einem Reha-Zentrum Kontakt zu potenziellen Käufern hergestellt haben sollte, war bis kurz vor Schluss unklar. Ihr Mann und sie selbst behaupteten steif und fest, dass die Taten komplett auf das Konto des 66-Jährigen gehen. „Ich habe keine Waren angeboten“, beteuerte die 65-Jährige auch am letzten Tag. Eine Mitarbeiterin des Reha-Zentrums jedoch stellte die Dinge am letzten Verhandlungstag anders dar. Sie sei durch die Ehefrau angesprochen worden, zu der sie damals ein sehr gutes Verhältnis gehabt habe. Erst danach sei der Kontakt zu dem Ehemann zustande gekommen, er habe Kaufverträge vorgelegt und das Geld für die in Aussicht gestellten Geräte vorab kassiert. Das Schlimmste sei für sie der Vertrauensmissbrauch gewesen, sagte diese Zeugin. Ihre Tochter hatte sich das Geld für den Laptop mühsam zusammengespart, und sie selbst habe mehrfach nachgefragt, „ob die Sache denn auch wirklich koscher ist“. Das wurde ihr immer wieder zugesichert. Immerhin bekam sie ihr Geld dann von den beiden Angeklagten wieder. Andere warten bis heute darauf.

Volles Geständnis abgelegt

Der 66-Jährige hatte bereits am ersten Prozesstag alles gestanden. Als Motiv gab er Spielschulden an. Er habe beim Finanzamt in der Kreide gestanden und dann versucht, dieses Loch mit Roulette und Lotto zu schließen. Er ist bereits mehrfach und einschlägig vorbestraft. Vor Gericht gab er sich geläutert. Nachdem ihm das Schicksal übel mitgespielt und er eine Krebserkrankung überstanden hat, will er mit einer Therapie seine Spielsucht in den Griff bekommen. Und mit einem - legalen - Nebenjob bessert er derzeit seine Rente auf.

Er sei nicht nur mehrfach vorbestraft, er habe einige Taten auch unter laufender Bewährung begangen, deshalb wollte das Gericht ihn nicht mit einer Bewährungsstrafe davonkommen lassen. Zweieinhalb Jahre soll er hinter Gitter, auch mit Blick auf den vergleichsweise hohen Schaden, hieß es in der Urteilsbegründung. Er muss an drei der Kläger Summen zwischen 300 und 2000 Euro zur Schadenswiedergutmachung zahlen. Seine Frau kommt mit sechs Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden, davon. Das Gericht hatte am Ende keinen Zweifel mehr daran, dass sie bei der Anwerbung von Kunden in dem Reha-Zentrum Beihilfe geleistet hat. Sie muss zusätzlich hundert Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. (pas)

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