24-Jähriger und Freundin wegen Körperverletzung zu Bewährungsstrafen verurteilt

Pärchen schlug brutal zu

Kassel. Selten braucht man am Amtsgericht länger als eine halbe Stunde, um ein Urteil zu fällen. Manchmal reichen sogar bloß fünf Minuten. Umso ungewöhnlicher war, dass sich das Kasseler Amtsgericht im Körperverletzungsprozess gegen einen 24-Jährigen und seine zwei Jahre jüngere Freundin zwei Tage Zeit zum Nachdenken nahm. Denn dieses Verfahren war kein leichtes.

Doch die Hoffnung des Paars, von der Unübersichtlichkeit profitieren zu können, sollte trügen: Jetzt wurde der junge Mann zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten verurteilt, weil er nach Überzeugung des Gerichts gleich dreimal in weniger als einem Jahr zugeschlagen hat. Außerdem muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Seine Lebensgefährtin, die nur bei einer Attacke dabei gewesen war, kam mit einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe ohne weitere Auflagen davon.

Trotz der Unschuldsbeteuerungen der beiden Angeklagten – die lediglich Schläge des 24-Jährigen auf einen Besucher des Kasseler Stadtfests im Juni 2011 einräumten – und mancher Widersprüche in den Aussagen ihrer Opfer hielt das Gericht die Vorwürfe im Wesentlichen für erwiesen. Auch in dem Fall, der am zähesten umkämpft worden war: dem Angriff auf einen Minicar-Fahrer vor knapp einem Jahr.

Eine aufgeplatzte Lippe und eine blutende Nase hatte der Mann an jenem Morgen davongetragen. Vor Gericht aber trug er dick auf. „Ich war blutüberströmt“, erzählte der 37-Jährige. „Ich habe gedacht, ich sterbe.“ Als er das stark angetrunkene Paar damals nach Hause fahren sollte, war es schon nach kurzer Strecke zum Streit gekommen. Ob wegen eines Umwegs, den der Fahrer angeblich (aber nicht tatsächlich) genommen hatte, oder wegen seiner Sorge um das Verschütten von Bier, das blieb offen. Sicher ist: Es wurde handgreiflich.

Mit Fäusten und einer Plastikflasche schlugen die Angeklagten zu – und das nach Ansicht des Gerichts keineswegs aus Notwehr gegen einen überschäumend aggressiven Fahrer. Nein, befand Richterin Schiborr, angefangen habe die junge Frau: „Sie hatten einen schlechten Tag – alkoholisiert, übermüdet, was auch immer – und sind ausgerastet.“

Holzknüppel aufs Ohr

Und auch bei der dritten Tat glaubte das Gericht dem Geschädigten – obwohl der 22-Jährige, wie es die Richterin diplomatisch formulierte, „sicherlich kein idealer Zeuge“ war. Doch so unwillig und ungereimt seine Aussage ausgefallen war: Dass er eines Abends im Februar 2012 am Mattenberg von dem Angeklagten, dem er Geld geschuldet haben soll, mit einem Holzknüppel aufs Ohr geschlagen worden sei, stehe fest. Mehr aber auch nicht.

An dem ursprünglichen Anklagevorwurf, dass der 24-Jährige bei dem Überfall auch noch zwei Handys geraubt habe, hatte zuvor auch die Staatsanwaltschaft schon nicht mehr festhalten wollen.

Von Joachim Tornau

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