Probleme wegen Tarifstreits

Tausende Pakete nicht ausgeliefert

Kassel. Sie haben Ihr Paket in den vergangenen Tagen auch nicht bekommen? Der Tarifstreit im hessischen Transport- und Verkehrsgewerbe sorgt für Probleme bei der Zustellung in Nordhessen.

Durch die Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi für die Beschäftigten von Speditionen, Logistik- sowie Kurier-, Express- und Paketdiensten sollen in den vergangenen Tagen tausende Pakete liegen geblieben sein.

Allein 12.000 Pakete sind nach Verdi-Angaben nicht ausgeliefert worden, weil am Dienstag knapp 130 Mitarbeiter der DHL Delivery Kassel GmbH die Arbeit niedergelegt hatten. In der Nacht auf Samstag sei der Paketdienst DPD Deutschland GmbH (Gudensberg) bestreikt worden, berichteten Gewerkschaftssekretär Roland Blumenauer und Verhandlungsführer Patrick Fois von Verdi Hessen.

Dass 12.000 Pakete in Kassel liegen geblieben seien, wollte die Deutsche Post nicht bestätigen. „Wir beteiligen uns an solchen Zahlenspielen nicht“, meinte Unternehmenssprecher Thomas Kutsch. Die Rückstände würden abgearbeitet, die Pakete bis Samstag zugestellt.

Auch Teile fürs VW-Werk blieben liegen

Nach den Arbeitsniederlegungen an den Standorten von DHL (Kassel) und DPD (Gudensberg) sind die Warnstreiks am Donnerstag fortgesetzt worden. Rund 240 Beschäftigte der Betriebe Rudolph Industrie Logistik GmbH (Waldau), Rudolph Automotive GmbH (Borken) und Neovia Logistik GmbH (Waldau) forderten vor Eppos Clubhaus mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen.

Im Gegensatz zu der Aktion bei DHL und DPD blieben am Donnerstag nicht wieder tausende Pakete liegen, versicherten Gewerkschaftssekretär Roland Blumenauer und Verhandlungsführer Patrick Fois von Verdi Hessen. In Kassel demonstrierten Verpacker und Kommissionierer, die in ihren Betrieben im Auftrag von VW tätig seien. Durch den Warnstreik blieben Teile für das Baunataler Werk liegen.

Der Anlass

Anlass für die hessenweiten Warnstreiks gibt der Abbruch der Tarifverhandlungen am 6. November. Seither versucht Verdi Druck zu machen. Für 23. November ist eine hessenweite Aktion in Fulda geplant. Auch in und um Kassel sind weitere Aktionen geplant.

Das fordert Verdi

Die Gewerkschaft Verdi fordert für die Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt bei einer Laufzeit der Tarifverträge von zwölf Monaten. Zudem soll die Einführung eines 13. Monatsgehalts und von sogenannten Erfahrungsstufen für langjährig Beschäftigte durchgesetzt werden. 150 Euro mehr Ausbildungsvergütung pro Jahr steht ebenfalls auf der Forderungsliste der Gewerkschaft.

Das bieten die Arbeitgeber

Die Arbeitgeber hatten ab 1. Februar 2018 zunächst zwei Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten und ab 1. Februar 2019 dann weitere 1,9 Prozent mehr angeboten. Die Laufzeit der Tarifverträge soll 24 Monate betragen. Ein 13. Monatsgehalt und Erfahrungsstufen für langjährige Beschäftigte werden abgelehnt. Auszubildendende sollen pro Jahr zwischen 20 und 40 Euro mehr Vergütung erhalten.

Die Aussichten

Wegen der Unvereinbarkeit der Ansichten waren die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen worden. Nächste Woche soll ein neuer Anfang gemacht werden. Nach Angaben von Verhandlungsführer Fois sollen die Tarifgespräche am 24. November fortgesetzt werden. Ob die Arbeitgeberseite bis dahin ein neues Angebot vorlege, sei ungewiss, meinte Patrick Fois.

Die mehr als 12 000 bei DHL in Kassel liegen gebliebenen Pakete seien übrigens nicht allein auf den Warnstreik zurückzuführen, betonte Roland Blumenauer. Schon zuvor habe es bei dem Unternehmen Rückstände bei der Zustellung gegeben.

Video: Der Weg eines Pakets - So funktioniert die Zustellung

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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