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Kassel schmiedet Pakt gegen Armut

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Von: Christina Hein

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Ilona Friedrich Sozialdezernentin Kassel
Ilona Friedrich, Sozialdezernentin © Hein, Christina

In Kassel fand der Auftakt für den Pakt gegen Armut statt. Zu Gast war Soziologin Jutta Allmendinger

Kassel – Ginge es nach der Resonanz zum Auftakt für den „Kasseler Pakt gegen Armut“, dann dürfte die Solidarität der Kasseler und die Entschlossenheit, gemeinsam gegen Armut in der Stadt vorzugehen, besonders groß sein. Mehr als 150 Menschen aus verschiedenen sozialen Bereichen – Wohlfahrtsverbänden, Religionsgemeinschaften und Hilfsorganisationen – sowie ehrenamtliche Einzelpersonen waren zur Veranstaltung gekommen, zu der Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Ilona Friedrich in den Bürgersaal des Rathauses eingeladen hatte. „Ich bin überwältigt“, sagte sie und: „Eine gute Gesellschaft ist daran zu erkennen, wie sie mit den Schwächeren umgeht.“

Carsten Höhre, Koordinator
Carsten Höhre, Koordinator © Malmus, Pia

Friedrich formulierte die Leitidee des Projekts, das von Carsten Höhre koordiniert wird: „Der Pakt gegen Armut setzt sich zum Ziel, die Lebenslagen von Armut betroffener Menschen in unserer Stadt aktiv zu verbessern und ihre Teilhabechancen spürbar zu verbessern, anstatt sie nur bürokratisch zu verwalten.“ Dabei soll auf vorhandene soziale Netzwerke zurückgegriffen und das gemeinsame Agieren vom Pakt koordiniert werden.

Zwei gehaltvolle Impulsvorträge sorgten für den Input und für motivierende Energie. Die bekannte Soziologie-Professorin an der Berliner Humboldt-Universität und Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Jutta Allmendinger skizzierte angesichts von 14 Millionen Menschen, 16 Prozent der Bevölkerung, die deutschlandweit in Armut leben, eine ernste Lage. In Kassel liegt die Armutsquote bei 18 Prozent. Allmendinger strich vor allem die Bildungskrise hervor („30 Prozent aller Viertklässler sind funktionale Analphabeten“) bei gleichzeitigem Fachkräftemangel. Die Zusammenhänge zwischen Bildung – Arbeit – Armut lägen auf der Hand.

Alles sei bekannt aber: „Wir haben ein Handlungsproblem.“ Deshalb seien Initiativen wie der Kasseler Pakt besonders wertvoll. Auch Wolfgang Schroeder, Politikwissenschaftler in Kassel und Berlin, zeichnete ein ernstes Bild. „Die Lage ist dramatisch, wir müssen große Anstrengungen unternehmen, damit die Gesellschaft nicht auseinanderbricht.“ Schroeder, der mit den von ihm erhobenen Daten eine Basis gelegt hat, wird den Pakt wissenschaftlich begleiten. Der Pakt wird aus vier Foren bestehen, in denen bis zu 20 Teilnehmer mitarbeiten. Die erarbeiteten Vorhaben würden anschließend in die politischen Entscheidungsprozesse getragen, so Höhre. Schon jetzt seien Vertreter des Sozialamts an über 100 Gesprächsformaten beteiligt. Der Pakt gegen Armut werde Verbindlichkeit einfordern. „Ein Pakt wird schließlich geschmiedet.“ Die erste Paktkonferenz findet am 19. November statt.

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