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Palais Bellevue in Kassel: Spohr folgt auf die Grimms

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Von: Andreas Hermann

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Soll der Kasseler Musikgeschichte und Literatur künftig einen besonderen Raum geben: das Palais Bellevue an der Schönen Aussicht oberhalb der Karlsaue, links im Hintergrund die Neue Galerie.
Soll der Kasseler Musikgeschichte und Literatur künftig einen besonderen Raum geben: das Palais Bellevue an der Schönen Aussicht oberhalb der Karlsaue, links im Hintergrund die Neue Galerie. © Archivfoto: Lothar Koch

Das Palais Bellevue soll künftig als ein Ort der Musikgeschichte und Literatur genutzt werden, unter anderem wird das Spohr-Museum dort einziehen.

Das Geheimnis ist gelüftet: Über Jahre stand hinter der künftigen Nutzung des Palais Bellevue ein großes Fragezeichen. Nach Auszug des Brüder-Grimm-Museums Mitte 2014 nutzte zuletzt die documenta 14 die barocken Räumlichkeiten. Nun steht fest: Auf die Brüder Grimm wird unter anderem der Komponist Louis Spohr folgen. Das Palais wird zum Ort der Musik und Literatur in Kassel ausgebaut.

„Das Palais Bellevue wird mit dieser Nutzung die Museumsmeile in der Innenstadt verdichten und das touristische Angebot stärken“, sagt die für Kultur zuständige Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp. Zudem solle dort die bedeutende Musikgeschichte Kassels zusammenhängend gewürdigt und Besuchern dazu erstmals „ein Angebot mit Erlebnischarakter“ geboten werden.

Umbau der Remise

Wie Bohnenkamp auf Anfrage unserer Zeitung berichtet, soll das Spohr Museum aus dem Südflügel des Kulturbahnhofs in das Palais-Hauptgebäude umziehen. Das denkmalgeschützte Nebengebäude Remise werde umgebaut und saniert. Im Erdgeschoss solle ein multifunktionaler Veranstaltungsraum eingerichtet werden, ergänzt durch einen Sanitärbereich. Öffentlichkeitswirksame und den Kulturtourismus fördernde Formate (Lesungen, Konzerte, Ausstellungen) sollen künftig in der Remise stattfinden. Im Blick habe man dabei vor allem ein überregionales Publikum und kulturinteressierte Städtetouristen.

Die Gesamtkosten der Sanierung werden auf mehr als 1,3 Millionen Euro geschätzt. Um die bereits beim Kasseler Hessentag (2013) zugesagte Förderung des Landes (50 Prozent) zu sichern, muss die Stadt noch in diesem Jahr ihren Eigenanteil von 670 000 Euro bereitstellen. Über die außerplanmäßige Ausgabe im Haushalt 2017 sind die Stadtverordneten jetzt im Ausschuss informiert worden.

Das 1714 erbaute Palais Bellevue befindet sich seit 1956 im Eigentum der Stadt Kassel (siehe Hintergrund). Für das Kulturdenkmal an der Schönen Aussicht oberhalb der Karlsaue wurden bereits diverse Nutzungsmöglichkeiten diskutiert. So sollte es 2015 etwa zu einem gemeinsamen Gäste- und Veranstaltungshaus von Stadt und Universität umgebaut werden.

Offenbar ist die Zukunft des besonderen Hauses jetzt aber beschlossene Sache. Petra Bohnenkamp: „Es wird sich um eine anspruchsvolle Nutzung des Palais Bellevue handeln, die der Geschichte des barocken Gebäudes im besonderen Maße gerecht wird.“

Hintergrund: Observatorium und königlicher Wohnsitz

Das Palais Bellevue, das sich seit 1956 im Eigentum der Stadt Kassel befindet, ist eines der wenigen historischen Gebäude im Zentrum, das die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs relativ unbeschadet überstanden hat. 1714 wurde es als Observatorium für den Landgrafen Karl von Hessen-Kassel gebaut. Nach dem Brand des Residenzschlosses diente es Jérôme Bonaparte, König von Westphalen, als Wohnsitz. Als die benachbarte Neue Galerie in Trümmern lag, wurde im Palais die städtische Kunstsammlung untergebracht. Von 1972 bis 2014 beherbergte es das Brüder-Grimm-Museum. Mit Eröffnung der Grimmwelt (2015) wurde der Standort aufgegeben und zunächst von der documenta 14 genutzt.

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