Börse im Sinkflug: Anlagespezialisten raten Aktienbesitzern zu kühlem Kopf

Von Panik keine Spur

Hartmut Schäfer

Kassel / Baunatal. Bei den Anlageberatern der Banken und Sparkassen klingelten gestern die Telefone heiß. Aktienbesitzer suchten den Rat der Experten. Viele Fragen und die Angst vor weiteren Kursverlusten an der Börse treiben Aktionäre um.

„Aber es ist keine Panik da“, lautet die Bilanz von Hartmut Schäfer, Leiter des Privatkundengeschäfts der Raiffeisenbank Baunatal.

Vor allem ältere Anleger hätten Angst, insbesondere solche, die kurz vor dem Ruhestand stünden und einen Teil ihrer Altersvorsorge in Aktien angelegt hätten. Das sind auch genau die Kunden, die große Aktiendepots halten. „Es sind nicht die Jüngeren, die sich Sorgen machen“, sagt Schäfer.

Etwa fünf Prozent der 30 000 Kunden der Raiffeisenbank seien stark im Aktiengeschäft engagiert, weitere zehn bis 15 Prozent würden kleinere Stückzahlen von Aktien halten. Es gebe nur wenige, die nach dem Motto „lieber Garantie als Zitterpartie“ verkaufen würden, hat Schäfer beobachtet. Nach den Hiobsbotschaften aus asiatischen Börsen habe sich der Deutsche Aktien-Index „gut gehalten“, sagte gestern Nachmittag Claus-Rüdiger Bauer, Vorstandsvorsitzender der Baunataler Raiffeisenbank. Die meisten Anleger hätten besonnen reagiert, „die Vernunft hat das Maß der Dinge bestimmt“.

André Kostolany: Der Börsen- und Finanzexperte (hier auf einem Bild aus dem Jahr 1998) starb 1999 in Paris.

Viele Anleger halten es offenbar mit einem nach Einschätzung von Fachleuten bis heute gültigen Leitsatz des Altmeisters der Börse, dem 1999 verstorbenen André Kostolany.

„Geld wird an der Börse nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Hintern verdient.“ André Kostolany, 1999 verstorbener Börsen-Experte

Der freundliche ältere Herr mit den Hosenträgern hatte stets betont: „Geld wird an der Börse nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Hintern verdient.“ Kostolany plädierte für Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit kurzfristigen Kursschwankungen und empfahl, diese schlicht auszusitzen. Im Übrigen hänge die ganze Börse nur davon ab, „ob es mehr Aktien gibt als Idioten oder mehr Idioten als Aktien“, meinte Kostolany.

Auch die Kasseler Sparkasse empfahl Kunden mit Aktien, einen kühlen Kopf zu bewahren. „Für vorschnelle und unüberlegte Handlungen besteht kein Grund“, sagt Dr. Ralf Beinhauer, Mitglied des Vorstands der Kasseler Sparkasse, die 275 000 Kunden und annähernd 20 000 Depotkonten hat.

Gestern gab es in den Geschäftsstellen und Centern der Kasseler Sparkasse ein unaufgeregtes, ganz normales Kundengeschäft, berichtet Beinhauer.

Zu den Entwicklungen der Börsen gab es die üblichen Anfragen von Kunden, die Wertpapiere anlegen wollten. „Wir werden unsere Kunden weiter ganzheitlich und umfassend beraten, unter Berücksichtigung aller individuellen Aspekte“, bekräftigt der Sparkassenvorstand. Grundsätzlich sei man der Auffassung, dass die Aktie nach wie vor für risikobewusste Kunden eine sinnvolle Möglichkeit ist, Vermögen über lange Zeiträume hinweg anzulegen. Fotos: Koch, Herzog

Von Jörg Steinbach

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