Universität baut Einsatz von Tablet-Computern in der Lehre aus – Preis für Idee einer Abfrage-App

Von Panik-Knopf bis Online-Übung

Spielerisches Lernduell: Dozent René Wegener (links) und studentische Hilfskraft David Durward demonstrieren eine der Übungen zur Vorlesung, die man im Wechsel macht. Foto: Rudolph

Kassel. Der tragbare Tablet-Computer wird zum Studienbegleiter: Die Universität Kassel baut den Einsatz der handlichen, flachen PCs zum kommenden Wintersemester weiter aus. Mit der Anschaffung 125 weiterer Tablet-PCs steigt die Zahl der Geräte, die von Studenten kostenlos ausgeliehen werden können, auf insgesamt 375.

Die PCs werden allerdings nur an Studierende vergeben, die an den Lehrveranstaltungen teilnehmen, die bereits mit der neuen Technik arbeiten. Ab dem Wintersemester sind das neben Vorlesungen in Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsinformatik jetzt auch Veranstaltungen in Mathematik-Didaktik und der Lehramtausbildung.

Die Uni Kassel erprobt mit dem Projekt „Mobiles Lernen“ seit 2010 als erste Hochschule in Deutschland in einem breit angelegten Versuch, wie die immer beliebter werdenden Tablet-PCs für Lehre und Lernen eingesetzt werden können, erklärt Dr. Christiane Borchard vom Service-Center Lehre. Für das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt standen 500 000 Euro bereit, die jetzt ausgeschöpft sind.

Die ersten Erfahrungen mit dem Einsatz von Tablet-PCs in Lehrveranstaltungen sind gut. „Bei den Studenten ist die Akzeptanz, mit solchen Geräten zu arbeiten, hoch“, sagt Dozent René Wegener, der für die Vorlesung Wirtschaftsinformatik I ein spezielles Programm für den Computer entwickelt hat, auf das alle Teilnehmer Zugriff hatten. Während der Vorlesung - die zeitgleich per Kamera im Internet übertragen wird, sodass man sie auch von zu Hause verfolgen kann - haben die Studenten die Möglichkeit, online Fragen an den Dozenten zu richten, der sie dann direkt aufgreifen kann. „In Massenveranstaltungen ab 50 Teilnehmern traut sich meist keiner mehr, sich zu melden“, weiß Wegener. Die anonym versendeten Nachrichten umgingen dieses Problem. Wer in der Vorlesung nur noch Bahnhof versteht, kann zudem den „Panik-Button“ auf dem Bildschirm seines Tablets drücken. Wenn der Professor oder Dozent auf seinem vernetzten PC gehäuft die Notrufe der Studenten empfängt, kann er das Tempo drosseln oder erneut erklären. Zum Nachbereiten des Vorlesungsstoffs sind auf den Tablet-PCs Übungsaufgaben hinterlegt, wobei die Studenten auch selbst Testfragen entwickeln und dem Fragen-Pool hinzufügen können.

Nach einem ähnlichen Prinzip soll eine App funktionieren, die sich der Wirtschaftswissenschaft-Student David Durward ausgedacht hat. „Lass dich App-fragen“ soll die Anwendung heißen, bei der Studenten wie in einem Quiz Fragen zu Lerninhalten erstellen und damit sich selbst und andere abfragen können. Mit seiner Idee hat der 24-Jährige einen Wettbewerb zum Thema Mobiles Lernen gewonnen. An der Umsetzung der App wird Durward selbst mitarbeiten. Auch mobil kann er jetzt tüfteln: Als Preis gab’s einen Tablet-PC.

Von Katja Rudolph

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