Renate Lehnebach sucht immer noch

100 Hefte „Kassel sammelt Kassel“: Panini ohne jede Pause

Beklebte über 100 Panini-Hefte: Rentnerin Renate Marlou Lehnebach tauscht volle Hefte gegen Aufkleber. Foto: Sasse

Kassel. „Es hat ganz harmlos angefangen“, sagt Renate Marlou Lehnebach. Für ihren Sohn wollte sie ein Panini-Heft „Kassel sammelt Kassel“ füllen. Da er in Lüneburg wohnt, wollte die Kasselänerin ihm etwas aus der Heimat schicken.

Auch ihre Tochter und die Enkel bekamen ein Heft. Doch dann wurden es immer mehr. Mittlerweile hat sie bereits 75 Hefte gefüllt, um die 35 weitere will sie noch fertigstellen. In ihnen fehlt noch das ein oder andere Foto. „Das ist ganz schön ins Geld gegangen“, sagt die 67-Jährige. Um ein Heft zu füllen, braucht die Rentnerin mindestens einen Karton Klebebilder, der kostet 25 Euro und enthält 50 kleine Päckchen Aufkleber. Insgesamt hat sie mehr als 100 Panini-Hefte gefüllt.

Die Sammlung der Rentnerin ist ordentlich sortiert, die Hefte sind in Stehordner einsortiert. Auf den unvollständigen Heften kleben kleine gelbe Zettel. Sie zeigen, welche Aufkleber noch fehlen. Geklebt hat Lehnebach allerdings nicht allein. Geholfen hat ihr eine Freundin. „Wir sitzen dann am Küchentisch“, sagt sie. Dort nimmt sich jede von ihnen ein Heft nach dem anderen vor. In der Mitte des Tisches liegen zwei ordentlich sortierte Stapel Aufkleber: Einer enthält alle Bilder von 1 bis 100, der andere die Bilder von 101 bis 216. Dabei erinnern sie sich an ihre Jugend: Wenn sie beispielsweise das Bild vom Bismarckturm sieht, denkt sie daran, wie sie als Jugendliche dort eine Bar besuchte, obwohl die Eltern es verboten hatten. So in Erinnerungen schwelgend, verbringen die beiden Frauen dann zwei, drei, manchmal auch vier Stunden.

Wie sie dazu kam, so viele Bücher zu füllen? „Das ist wie ein Schneeballsystem“, sagt sie. „Erst ist es eine kleine Kugel, dann eine Lawine.“ Denn wenn sie Bilder doppelt hatte, besorgte sie ein neues Heft zum Einkleben. War eines fertig, warteten fünf oder zehn neue Hefte darauf, gefüllt zu werden.

„Ich bin bereit, fertige Hefte abzugeben“, sagt sie. Im Gegenzug freut sie sich über Bilder, die sie in die noch unvollständigen Hefte einkleben kann. Es sei zu schade, wenn die Bilder im Müll landen.

„Meine Freundin und ich hätten noch monatelang etwas zu tun“, sagt sie in der Hoffnung, Bilder-Nachschub zu bekommen. In den Kiosken, Buchhandlungen und Supermärkten in der Gegend hat sie bereits versucht, neue Bilder aufzutreiben. Dort wurden keine mehr verkauft. Außerdem möchte die Rentnerin kein weiteres Geld investieren. Doch wer ein volles Heft haben möchte, muss der Rentnerin nicht unbedingt Aufkleber zum Tausch anbieten. Auch über selbst gestrickte Socken freut sie sich.

Von Lara Sasse

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