Jetzt ist sein Album komplett

Panini-Opa im Glück: Alfons Seifert (91) sammelt Kassel-Bilder

Mit Leib und Seele Kasseler: Der 91-jährige Alfons Seifert sammelt seit Monaten die Panini-Aufkleber. Besonders gut gefallen ihm die Sticker mit den Kasseler Fußballern Thorsten Bauer und Gala Metzner. Foto: Rudolph

Kassel. „Ich hatte die Hoffnung fast schon aufgegeben“, sagt Alfons Seifert. Der 91-Jährige sammelt seit Monaten Kassel-Aufkleber für sein Panini-Album. Aber um die letzten drei fehlenden Sticker zu bekommen, war sein Sammlerglück einfach nicht groß genug.

Zweimal die Woche machte sich der Oberzwehrener mit dem Rollator zum Schreibwarenladen um die Ecke auf. Immer dienstags, wenn er seinen Lottoschein abgibt, und donnerstags, wenn er Zigarren kauft, hat er auch ein paar Aufkleberpäckchen mitgenommen. Die doppelten und dreifachen Sticker - mehr als 500 Stück - stapeln sich in seinem Wohnzimmer bereits. Nach Nummern sortiert hat er sie mit Gummibändern zu Päckchen verschnürt.

Tauschbörsen konnte der 91-Jährige nicht besuchen – das lässt die Gesundheit nicht mehr zu. Internetzugang hat er auch nicht. Also schrieb er an die HNA und bat um Hilfe. Wir haben für den alten Herrn inzwischen in der „Kassel sammelt Kassel“-Gruppe bei Facebook Tauschpartner vermittelt. Alfons Seifert ist selig, dass sein Album nun komplett ist: „Ohne die drei Sticker wäre meine Sammlung schließlich wertlos gewesen.“

Ein Sachse liebt Kassel

Als er von dem Panini-Album zum Stadtjubiläum in der HNA las, war der 91-Jährige einer der Ersten, der mit dem Sammeln begann. „Die Bilder interessieren mich einfach, weil Kassel meine Heimat ist.“ Geboren wurde Seifert im sächsischen Borna, unweit von Leipzig, aber in Nordhessen hat er sein Zuhause gefunden. Im Krieg verschlug es den jungen Mann nach Kassel, wo er auf dem Schenkelsberg als sogenannter Horcher eingesetzt war: Er sollte mithilfe spezieller Schalltrichter feindliche Flugzeuge im Anflug aufspüren. Viel mehr interessierte ihn aber, was er auf dem Bauernhof gegenüber eines Tages sah. „Im Kuhstall war ein junges Mädchen mit einer so schönen weißen Bluse!“, gerät der 91-Jährige noch heute über den Anblick seiner späteren Frau Anna ins Schwärmen. 1944 wurde geheiratet. Sein Töchterchen lernte er erst 1947 nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft kennen. Der Familienvater fand Arbeit auf dem Bau und später im Betonwerk.

Gala Metzner war der Beste

In seiner Freizeit ging Alfons Seifert gern zu den Spielen des KSV im Auestadion. Er tippt auf das Bild von Gala Metzner im Panini-Album. „Den kenne ich noch, der war einer der Besten.“ Auch das Bild von Thorsten Bauer auf der KSV-Doppelseite hält der Kasseler in Ehren.

Neben Sport interessiert sich Alfons Seifert für Literatur. Goethes Faust kann der geistig hellwache Rentner, der zwei Enkel in Celle hat, ebenso zitieren wie Heinz Erhardt. Früher schrieb er selbst Gedichte, für seine Frau. Ein Jahr vor der Diamantenen Hochzeit ist seine Anna gestorben. Zehn Jahre ist das her. „Aber ich kann sie nicht vergessen.“ Die alten Fotos von ihr betrachtet der 91-Jährige täglich. Die würde er niemals tauschen.

Von Katja Rudolph

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