Internet-Programm für Baby-Namen-Suche: Papa hat eine Idee geboren

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Junge Väter haben keine Zeit für’s Rasieren: Folke Mitzlaff im Kasseler Standesamt, wo er gestern seine Tochter anmeldete. Auf dem Laptop präsentiert der 32-jährige Informatiker mit dem Programm Nameling ein Baby, das er selbst geboren hat.

Kassel. Die tollsten Erfindungen gehen auf einfache Gründe zurück: So war es auch bei Folke Mitzlaff aus Kassel. Der 32-Jährige Informatiker war „in persönlicher Not“, wie er sagt. Die Geburt seiner zweiten Tochter stand bevor und die Namensfindung gestaltete sich schwierig.

Deshalb programmierte er ein Programm, das die Suche nach Babynamen vereinfacht. Seit wenigen Tagen ist die Internetseite www.nameling.net online und schon jetzt gab es über 100 000 Suchanfragen.

Vom Erfolg der Erfindung ist der junge Vater überrascht: „Ich bin schon von österreichischen Radiosendern interviewt worden.“ Dabei hatte alles mit der Schwangerschaft seiner Frau und einem Namensbuch auf dem Sofa angefangen. „Da stehen 6000 Namen drin und beim Buchstaben C ist die Luft raus“.

Datenbasis von Wikipedia

Also machte sich der wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Kassel daran, nach Feierabend ein Programm zu schreiben, das bei der Suche hilft. Nameling greift dabei auf den Datenbestand von Wikipedia zurück und stellt auf dessen Basis Beziehungen zwischen Vornamen her. Das Programm errechnet, welche Namen ein ähnliches Namensumfeld haben. „Wenn etwa sowohl Heike als auch Elke oft mit Torsten und Stefan im Internet auftauchen, besteht zwischen Heike und Elke eine Verbindung“, sagt Mitzlaff.

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Nachdem der Informatiker diese Berechnungen an zwei Abenden im Januar programmiert hatte, musste er noch eine Datenbank mit 40 000 Namen füttern: deutsche, aber auch etwa persische, arabische und sogar hawaiianische.

Die Suche auf der Internetseite läuft so, dass werdende Eltern dort einen Namen eingeben, den sich schön finden. Das Programm bietet daraufhin Alternativen an, die dazu passen. Dabei seien die Möglichkeiten von Nameling längst nicht ausgeschöpft, sagt Mitzlaff. „ Obwohl ich jetzt erstmal für zwei Monate in Elternzeit bin, entwickelt sich das Programm weiter.“

Programm lernt von Nutzern

So funktioniert das Programm: Dieses Schema stellt dar, welche Vornamen in Verbindung stehen.

Dafür sorgen die Nutzer. Mit ihren Suchanfragen häufen sich Daten an, die bei der Verfeinerung des Programms helfen. „So können wir etwa feststellen: Wer nach Greta sucht, der sucht auch nach Frieda.“ Die Vorlieben der Nutzer werden bei zukünftigen Suchanfragen berücksichtigt und im Programm hinterlegt. Diese Arbeit muss Mitzlaff aber nicht mehr nach Feierabend machen. Er arbeitet im Fachbereich inzwischen offiziell an dem Projekt und will dazu promovieren.

Letzte Woche kam Folke Mitzlaffs Tochter zur Welt. Der Name, für den sich die Mitzlaffs letztlich entschieden haben, wurde ihnen zwar auch von Nameling angeboten, aber zuvor hatte ein Nachbar den gleichen Vorschlag gemacht. Weil er als Informatiker beim Datenschutz „überempfindlich“ sei, will er den Namen seiner Tochter für sich behalten. Aber er passe gut zu: Stine.

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