"Handwerker müssen ohne Probleme zur Baustelle kommen"

Wegen Radförderung: Wird Parken für Handwerker in Kassel noch schwieriger?

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Auf dem Weg zur Arbeit: Andreas Pereschiwkin (links) und Thomas Fritz von der Firma Schneider Dach suchen einen Parkplatz an der Baustelle der Evangelischen Bank am Ständeplatz.

Seit Monaten wird in Kassel über den Radverkehr diskutiert. Auch Handwerker sind für die Verkehrswende. Trotzdem klagen zum Beispiel Dachdecker über die Parksituation in der Innenstadt.

Seit einigen Wochen beginnt die Arbeit der Dachdecker Andreas Pereschiwkin und Thomas Fritz schon, bevor sie die Baustelle der Evangelischen Bank am Kasseler Ständeplatz erreicht haben. Tag für Tag müssen die Mitarbeiter der Waldauer Firma Schneider erst einmal einen Parkplatz finden. Und das ist gar nicht einfach.

Im Baustellenbereich dürfen nur Zulieferer parken. Darum müssen die Dachdecker schwere Arbeitsgeräte bisweilen über hundert Meter schleppen. „Auch sonst ist es oft schwierig, in der Innenstadt einen Parkplatz zu finden“, sagt Schneider-Geschäftsführer Jens Schlechter. Er befürchtet, dass sich die Situation gerade für Handwerksbetriebe weiter verschlechtern könnte, wenn Kassel den Radverkehr demnächst stärker fördert.

Radfahren in Kassel: "Förderung nicht zulasten anderer Verkehrsteilnehmer"

Bis auf die AfD wollen das in der Stadtverordnetenversammlung alle Parteien. Kreishandwerksmeisterin Alexandra Kaske-Diekmann hatte bereits im März gewarnt: „Eine Förderung des Radverkehrs darf nicht zulasten anderer Verkehrsteilnehmer, nicht zulasten des Wirtschaftsverkehrs erfolgen.“ Das ist keine grundsätzliche Kritik an der Verkehrswende in Kassel. Andernorts funktioniert die ja bereits, wie Dachdecker Schlechter festgestellt hat.

Der 54-Jährige hat unter anderem mehrere Wochen in Hamburg gearbeitet: „Da hat man das besser umgesetzt. Zusätzliche Radwege haben sich nicht störend ausgewirkt.“ In Kassel sei es dagegen schon jetzt oft so, dass sich Handwerker mit eingeschalteter Warnblinkanlage an den Straßenrand stellen müssen, um auszuladen. Anschließend müsse rund um den Block ein Parkplatz gefunden werden.

Handwerke haben Park-Problem: Parkschein kann Abhilfe schaffen

Etwas Abhilfe verschafft ein Handwerker-Parkschein. Den können Unternehmen bei der Handwerkskammer kaufen. Zehn Parkzettel kosten 110 Euro, einer ist eine Woche lang gültig. Sollte der „Parkraum jedoch weiter verringert werden“, würden die Parkscheine noch weniger helfen, meint Schlechter: „Dann müssten Firmen ihre Mitarbeiter zur Baustelle shutteln.“

Auch Kaske-Diekmann fordert, dass „Handwerker ohne Probleme zur Baustelle kommen können“. Vorschläge, Hauptverkehrsstraßen zugunsten des Radverkehrs einspurig zurückzubauen, steht sie skeptisch gegenüber: „Ein guter Verkehrsfluss ist wichtig.“

Auch aus Radfahrerersicht hat sie gegen solche Pläne Einwände: „Ich hätte meine Tochter niemals mit dem Rad auf die Frankfurter Straße geschickt.“ Die parallel verlaufende Menzelstraße sei viel sicherer.

Auch weniger Autos in der Innenstadt findet sie nicht unbedingt erstrebenswert: „Was bringt es, eine schöne Stadt zu haben, die nicht mehr frequentiert wird, weil die Menschen aus dem Umland lieber auf der grünen Wiese oder im Internet einkaufen?“

Schutz vor Vandalismus an Parkscheinautomaten

Auch in diesem Jahr gilt aus Schutz vor Vandalismus an Silvester wieder kostenfreies Parken mit Parkscheibe, denn in Kassel bleiben die Parkscheinautomaten über Silvester außer Betrieb.

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