Montagsinterview

„Kassel hat keine Parkprobleme“ - Was sich laut Händlern dennoch ändern sollte

Kassel. Das Thema Parkgebühren beschäftigt in Kassel viele Innenstadtkunden und somit ganz besonders auch die City-Kaufleute. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden der Einzelhändlergemeinschaft, Alexander Wild.

Herr Wild, was halten die Händler von der geplanten Neuregelung der Parkgebühren?

Alexander Wild: Wir finden die technologischen Aspekte gut, also die minutengenaue Abrechnung per App und die erweiterte Parkhauskarte. Das ist eine Komfortsteigerung für die Kunden. Aber das gebührenfreie Parken ab 18 Uhr, das nun in der Parkzone 2 kommen soll, das wünschen wir uns auch für die Innenstadt.

Fehlt Ihnen sonst noch etwas beim Thema Parken?

Wild: Mir fehlt da ein wenig, dass der Eventcharakter von Kassels Innenstadt berücksichtigt wird – dass man also bei besonderen Veranstaltungen für ein paar Stunden ganz auf Parkgebühren verzichtet.

Welche Probleme sehen Sie aktuell mit Blick auf Kunden, die mit dem Auto kommen?

Wild: Wir können da eigentlich keine Probleme feststellen. Kassel hat eine gute Ausstattung mit Parkflächen, sowohl oberirdisch als auch in Parkhäusern. Da sind wir verglichen mit anderen Städten auf einem sehr guten Niveau.

Fachmärkte und Einkaufszentren wie Dez und Ratio werben mit freiem Parken direkt vor dem Eingang. Wie kann sich Kassels Innenstadt da im Kampf um die Kundengunst behaupten?

Wild: Wir haben vergleichbare Modelle für die Tiefgarage Friedrichsplatz: Bei den angeschlossenen Geschäften gibt es Nachlässe auf die Parkgebühr oder Mehrwerte, wenn man dort kauft. Zu bestimmten Zeiten zahlt man fürs Parken gar nichts. Auch in weiteren Parkhäusern gibt es Vergünstigungsmodelle. Von daher sind wir wettbewerbsfähig.

Kassels Parkgebühren sind im Vergleich zu anderen Städten nicht besonders hoch. Warum haben hier dennoch so viele Menschen ein Problem damit?

Wild:Das ist schwer zu beantworten; es hat sicherlich viel mit Gewohnheiten zu tun. Kassel ist sehr auf sein Umland ausgerichtet. Diese Kunden kommen mit dem Auto und tun sich nicht immer leicht, sich in der großen Stadt zu orientieren. Wer aber unser Verkehrsleitsystem intelligent nutzt, der findet immer eine gute und auch wirtschaftliche Möglichkeit, sein Fahrzeug zu parken.

Haben die Händler wirklich die Erwartung, dass messbar mehr Kunden kämen, wenn man das Parken billiger machte? Der Kostennachteil gegenüber Dez und Ratio bleibt ja.

Wild:Wir haben in der City schon viel mehr zu bieten als jeder Markt auf der grünen Wiese. Aber als die Parkgebühren 2015 stark angehoben wurden, haben wir deutliche Frequenz- und Umsatzverluste gespürt. Daher erwarten wir einen gegenteiligen Effekt, falls die Parkkosten wieder tatsächlich gesenkt würden.

Was wäre sonst noch nötig, damit die Innenstadt weiterhin ein attraktives Ziel bleibt?

Wild:Wir sehen die Aufgabe, im Zentrum mehr Events anzubieten – aber auf einem guten Niveau. Dabei gilt es, die Händlerkollegen dazu zu bewegen, mehr nach draußen vor ihre Läden zu gehen. Daraus lassen sich besondere Erlebnisse für unsere Kunden machen.

Wie ist denn die Bereitschaft der Kollegen, bei gemeinsamen Aktionen der City-Kaufleute mitzumachen?

Wild:Da sehen wir uns als Verein in der Verantwortung. Wir müssen unseren Mitgliedern mehr bieten, ihnen mehr abnehmen, und das gelingt auch. Zum Beispiel verhandeln wir Sonderkonditionen für Werbeaktionen, kümmern uns um technische Unterstützung bei Veranstaltungen und leisten ganz allgemein Beratung. Wir konnten zuletzt einige neue Mitglieder gewinnen. Und darunter sind auch aktive Kollegen, die genau an solchen Themen arbeiten. Die Bereitschaft zum Engagement ist stärker geworden.

Zur Person: Alexander Wild

Alexander Wild, Vorsitzender der City-Kaufleute. Foto:  Schwarz

Alexander Wild ist seit Ende 2017 Vorsitzender der Kasseler City-Kaufleute. Der Inhaber der Versicherungsagentur Wild & Partner folgte in diesem Amt auf Gerhard Jochinger, der die Händlergemeinschaft mit rund 60 Mitgliedsfirmen und 120 Geschäften 20 Jahre lang geführt hat. Wild ist 44 Jahre alt, sieht sich als Netzwerker und wohnt mit seiner Partnerin auch im Kasseler Stadtzentrum. In seiner Freizeit begeistert er sich für Sport und Fitness.

Rubriklistenbild: © dpa-avis/Jens Kalaene/Archiv

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