Stadt möchte auf Wiese Abstellplätze schaffen

Hessentag: Geplanter Parkplatz bedroht Schmetterling

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Um diese Wiese geht es: Auf der roteingefärbten Fläche möchte die Stadt zum Hessentag gerne Parkplätze bereitstellen. Jedoch legt der Ameisenbläuling, eine geschützte Schmetterlingsart, dort seine Larven an einer Pflanze ab.

Kassel. Der Ameisenbläuling machte schon vor Jahren beim Bau der A44 von sich Reden. Jetzt könnte er zum Problem für die Stadt werden. Die sucht wegen des Besucherandrangs zum Hessentag nach Parkflächen.

In den Blick ist eine Wiese zwischen den Kleingärten Giesewiesen und Auefeld geraten. Doch dort schlüpft ebendiese geschützte Schmetterlingsart. Kleingärtner und die Naturschutzbundgruppe Kassel kritisieren den möglichen Standort.

Es treffe zu, dass die Stadt beabsichtige, die Flächen zum vorrübergehenden Parken nutzen zu wollen, bestätigte Ingo Happel-Emrich, Pressesprecher im Rathaus. In den kommenden Wochen werde die Untere Naturschutzbehörde eine Beurteilung des Antrags abgeben, sagte Happel-Emrich.

Kritik: Heidi Brandenstein und Peter Lorenz.

„Paradox“, nennt Peter Lorenz, Vorsitzender der Nabu-Gruppe Kassel, dieses Vorhaben. „Der Hessentag wirbt mit dem Motto ,Der Natur auf der Spur’ und will gleichzeitig auf einem Gebiet Parkplätze schaffen, wo ein geschützter Schmetterling schlüpft?“ Schon bei der documenta sollten auf der ehemaligen Reiterwiese Parkmöglichkeiten entstehen, sagte Lorenz. Allerdings erfolglos. Er befürchtet, dass sich durch die Autos der Boden verdichtet. Die Folge wäre, dass der Wiesenknopf, eine Pflanze, an der der Ameisenbläuling seine Larven ablegt, nicht wachsen könne. Außerdem würde der Falter rund um die Zeit des Hessentages (14. bis 23 Juni) unterwegs sein, um seine Eier zu legen.

Seltene Tiere: Der Dunkle Ameisenbläuling.

„Da das Vorkommen des Ameisenbläulings bekannt ist, werden Ruhezonen vorgesehen, die nicht zum Parken genutzt werden“, teilte Happel-Emrich mit. Die Flächen würden nur bei Bedarf herangezogen. Abstandsflächen zu den Kleingärten seien vorgesehen, und der Parkplatz solle mittels LED-Wegweisung nur bei trockenem Wetter in Teilen herangezogen werden. Die Entscheidung der Naturschutzbehörde stehe noch aus.

Lorenz hält nichts von solchen Maßnahmen, genau wie Heidi Brandenstein, Schatzmeisterin des Kleingartenvereins Giesewiesen. „Das ist eine Katastrophe“, sagt sie. „Bei vorübergehenden Parkplätzen wird es nicht bleiben“, vermutet sie. Das Gelände sei schon öfter im Fokus der Stadt gewesen. Das letzte Mal beim angedachten Bau einer Multifunktionshalle.

Heidi Brandenstein will, wie Lorenz auch, bereits aus sicherer Quelle erfahren haben, dass die Untere Naturschutzbehörde eine Nutzung abgelehnt habe. Das würde die Stadt aber nicht unbedingt von einer Nutzung abhalten, glaubt Brandenstein. Pressesprecher Happel-Emrich sagte dazu auf Anfrage der HNA: „Wenn die Untere Naturschutzbehörde von einer Nutzung abrät, werden wir dieser Entscheidung folgen.“

Von Max Holscher

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