Bebelplatz, Goethestraße ...

Parkplatz-Not im Vorderen Westen: "Die Stadt nimmt uns nicht ernst"

In der Not so: Wer unter Zeitdruck steht, wie vermutlich die Fahrerin dieses Autos eines Pflegedienstes, stellt das Auto einfach irgendwo ab. Hier halb auf den Bürgersteig des Bebelplatzes

Vorderer Westen. Parklücken sind im Vorderen Westen begehrtes Gut. Je nach Uhrzeit und Bereich müssen Autofahrer viele Runden drehen, um einen freien Platz zu finden. Doch nach einem Konzept sucht man bei der Stadt vergeblich.

Deshalb hatte der Ortsbeirat die Stadt aufgefordert, ein Parkraumkonzept für den Stadtteil zu erarbeiten und die Anwohnerparkplätze auf dem umgestalteten Teil der Goethestraße tagsüber für alle Autofahrer freizugeben. Doch die Forderung sei bisher nicht auf Gegenliebe im Rathaus gestoßen, so der stellvertretende Ortsvorsteher Mario Lang.

Sie suchen Lösungen: Mitglieder des Ortsbeirates und Anwohner beim Rundgang. Ein Problem seien Wohnwagen, die über Monate abgestellt würden.

Um sich ein Bild von der Parkplatz-Situation zu machen, lud der SPD-Ortsverein am Dienstag die Anwohner zu einem Rundgang ein. Der Einladung gefolgt war unter anderem Inge Schütz, die seit 1960 an der Goethestraße lebt. Über die Jahre hätten die Verkehrsprobleme stetig zugenommen. Jüngstes Phänomen seien die Wohnwagen, die teils über Monate auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt würden. Dabei ist dies nur für zwei Wochen zulässig.

Im Halteverbot: Dieses Auto wurde auf einer straffierten Fläche am Diakonissen-Krankenhaus abgestellt.

Wolfgang Albus, der auch im Ortsbeirat sitzt, nimmt vor allem bei Veranstaltungen in der Stadthalle ein Verschärfung wahr. „Da stehen die Autos bis ins Tannenwäldchen“, sagt Albus. Deshalb hatte der Ortsbeirat die Stadt gefragt, ob es ein Veranstaltungsparkkonzept gebe. Antwort: Nein. Dies hält der Beirat für problematisch, da die Stadthalle stetig erweitert worden sei, nicht aber die Flächen im dortigen Parkhaus.

So richtig würden die Parkhäuser aber auch nicht zur Lösung beitragen, sagt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Gerhard Flögel. Rund um das Diakonissen-Krankenhaus sei zu beobachten, dass viele Besucher nicht das dortige Parkhaus benutzten, weil sie die Kosten scheuten. „Dabei parken Sie dort die erste halbe Stunde umsonst“, sagt Flögel.

Parkplatz selbst gemacht: Dieses Auto steht sogar mitten auf dem Bürgersteig am Bebelplatz. Fotos: Ludwig

Andreas Schmitz, Anwohner und Vorsitzender des Vereins Kassel West, bremst die Erwartungen an eine Verbesserung der Situation. „In einem urbanen Umfeld ist es unmöglich, jedem vor seiner Haustür einen Parkplatz zu bieten“. Er fordert, dass öffentliche Einrichtungen ihre Parkflächen nach Dienstschluss freigeben sollten. Er denkt dabei an die hessische Bezügestelle auf der Samuel-Beckett-Anlage und das neue Gerichtszentrum, das im Finanzamt an der Goethestraße entsteht. In anderen Bundesländern gebe es solche Regelungen, in Hessen nicht.

Bei dem Rundgang wurde deutlich, dass die Parkplatznot auf den Straßen rund um den Bebelplatz am größten ist. Dort standen Autos im Halteverbot und sogar auf Bürgersteigen. Umso mehr ärgert es den stellvertretenden Ortsvorsteher Mario Lang (SPD), dass die Stadt keinen Handlungsbedarf sehe. „Die nehmen uns nicht ernst“, sagt er. Den Antrag des Beirats, die Anwohnerparkplätze auf dem neuen Goethestraßenabschnitt von 10 bis 16 Uhr für alle Autofahrer zu öffnen, habe man im Rathaus zurückgewiesen.

Von Bastian Ludwig

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