Parteitag der Kasseler Piraten: Verwirrung in der Kajüte

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Abstimmungsmarathon: Die Kasseler Piraten, darunter Florian Kahla, Vorsitzender Volker Berkhout und Cornelius Kölbel (vorn von links), brauchten gestern einen langen Atem.

Kassel. Basisdemokratie kann verwirrend sein: „Über was stimmen wir jetzt ab?“ Diese Frage stand öfter im Raum beim Kreisparteitag der Kasseler Piraten am Sonntag in der Domäne Wehlheiden, deren rustikale Einrichtung an eine Kajüte denken ließ.

Draußen wehte die Piratenfahne im kühlen Wind, drinnen drängten sich rund 30 Mitglieder des noch jungen Kreisverbandes auf engem Raum und redeten sich die Köpfe heiß.

Dabei ging es nicht einmal um programmatische, sondern vor allem um organisatorische Fragen. Wann gilt ein Antrag als angenommen? Eine Zweidrittel-Mehrheit reicht den Piraten nicht. „Die Hürde dessen, was durchkommt, ist abhängig davon, wie viel Negativstimmen da sind“, erklärt Kreistagsabgeordneter Swen Schmidt. „Von den Positivstimmen muss man die doppelte Zahl der Negativstimmen abziehen.“ Da muss selbst Versammlungsleiter Boris Behnke passen. „Ich hab’s immer noch nicht verstanden“, bekennt er und blickt fragend in die Runde. „Ich mach’ das auch nur einmal im Jahr“, sagt er entschuldigend.

Basisdemokratie, wie sie die Piraten praktizieren, kann auch anstrengend sein: Antrag, Geschäftsordnungsantrag, formeller Widerspruch - es dauert, bis selbst ein scheinbar profaner Tagesordnungspunkt wie „Satzungsänderungsanträge, Programmanträge und sonstige Anträge“ erschöpfend diskutiert ist. Aber die Piraten haben aus der Vergangenheit gelernt: Mehr als 90 Minuten sollen solche Debatten nicht mehr dauern. Schließlich muss noch Zeit für programmatische Fragen sein. „Ich möchte gern einen Kreisparteitag erleben, auf dem mal nicht Satzungsänderungen diskutiert werden“, sagt ein Parteimitglied.

Die Debatte dauert. Zeitweise herrscht ein Kommen und Gehen. Einige machen Zigarettenpause unter freiem Himmel, andere füllen in der Küche Kaffee nach, die Schritte hallen auf dem Holzboden. Dabei ist Sitzfleisch gefragt. Der Parteitag an der Tischbeinstraße dauert fast den ganzen Tag. „Klarmachen zum Ändern“ - so lautet der Slogan der Piraten. Bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg.

Von Ellen Schwaab

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