Kommentar

Für Rad-Demo gesperrte A49: Party auf der Autobahn

Teilnehmer der Rad-Demo vorigen Samstag auf der A49 zwischen den Anschlussstellen Wabern und Borken.
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Für sie wird die A49 auch diesen Samstag wieder gesperrt: Teilnehmer der Rad-Demo vorigen Samstag zwischen den Anschlussstellen Wabern und Borken. Statt der erwarteten 3000 bis 5000 Menschen radelten nur 150 mit.

Nach letzter Woche dürfen Gegner des A49-Ausbaus auch an diesem Samstag auf der Autobahn demonstrieren. Dafür wird die A49 noch einmal gesperrt. Ein Kommentar.

Sie haben noch keine Idee für Ihren nächsten runden Geburtstag? Wie wäre es damit: Sie melden einfach eine Demo für 3000 bis 5000 Leute auf der Autobahn an – unter dem Vorwand, dass Sie eine Schnellstrecke für E-Scooter fordern, um den Bezug zur Autobahn herzustellen. Und dann feiern Sie mit – sagen wir mal – 150 Freunden und Freundesfreunden eine Tretroller-Party auf der Autobahn. Das kommt bestimmt gut – gerade in Coronazeiten. Die Abstände ließen sich locker einhalten, und für Spaß wäre gesorgt.

Okay, das Ganze ist jetzt sehr überspitzt dargestellt. Aber nach dem vergangenen Wochenende und vor dem nächsten Samstag kommt schon ein bisschen die Vermutung auf, dass es nicht allzu schwer sein muss, sich eine Autobahn für seine Zwecke und für eine gewisse Zeit zu reservieren. Den Darum dürfen die Ausbaugegner erneut auf der Autobahn radfahren. Am vergangenen Samstag bekamen sie eine ganze Fahrtrichtung von Gudensberg bis Neuental, um auf Fahrrädern gegen den Ausbau der Strecke zu demonstrieren. Am nächsten Wochenende dürfen sie das wieder tun, wenngleich sie dann schon in Borken die Autobahn verlassen müssen.

Vor allem die Wiederholung der Aktion am Samstag ist dem Ottonormalbürger dabei schwer bis gar nicht vermittelbar. Der bringt womöglich noch einen Rest Verständnis dafür auf, dass Autobahngegner für einen einzigen Nachmittag auf einer Autobahn ihr Anliegen präsentieren dürfen, um eine möglichst große Aufmerksamkeit zu erzielen. Voraussetzung: Es kommt wirklich zu einem großen Auflauf von 3000 oder gar 5000 Menschen, wie es angekündigt war. Wenn dann aber tatsächlich nur 150 teilnehmen, nimmt die Intensität des Kopfschüttelns bei der Feststellung zu, dass eine Woche später die Autobahn für dieselbe Angelegenheit noch einmal gesperrt wird. Spätestens hier stimmt die Verhältnismäßigkeit von Maßnahme und Anliegen nicht mehr.

Dabei geht es nicht um die inhaltliche Bewertung der Demonstration und nicht um das außer Frage stehende Recht, überhaupt demonstrieren zu dürfen. Sondern es geht um die Art und Weise der Veranstaltung. Hier entsteht der Eindruck, dass die maßlose Übertreibung einer erwarteten Teilnehmerzahl auch noch belohnt wird. Warum wartet das Regierungspräsidium nicht die erste Demonstration ab, bewertet sie und entscheidet dann über eine mögliche Wiederholung auf Grundlage der bisherigen Erfahrungen? Das wäre nachvollziehbarer als der Verweis, dass es prinzipiell völlig egal sein soll, wie viele sich an der Demonstration beteiligen.

So schaden sich auch die Aktivisten selbst: Sie sorgen für Unverständnis mitunter selbst bei jenen, die ihr Begehr durchaus verstehen können. Das hat auch mit Glaubwürdigkeit zu tun, wenn die Teilnehmerzahl utopisch hoch angesetzt wird. Oder war das eher Selbstüberschätzung?

Wie dem auch sei: Das Konzept der A 49-Gegner geht auf, Samstag wird wieder geradelt. Es sei denn, das RP verbietet die Veranstaltung kurzfristig, weil ein runder Geburtstag dazwischengekommen ist.

Ein Kommentar von Florian Hagemann

A49 wird am Samstag erneut gesperrt

Wie am vergangenen Samstag wird auch heute die A 49 ab mittags gesperrt. Grund ist eine Rad-Demo von Kassel bis zum Dannenröder Forst.

Unter dem Motto „Fahrrad fahr’n statt Autobahn“ starten die Teilnehmer um 9.30 Uhr am Kasseler Hauptbahnhof und fahren dann über die Frankfurter Straße, die Altenbaunaer Straße, Baunatal und Besse nach Gudensberg. Dort geht es um 11.30 Uhr auf die Autobahn, allerdings nur bis Borken. Von dort führt die Strecke über Landes- und Bundesstraßen zum Dannenröder Forst in Mittelhessen. Sowohl in Kassel als auch auf der Strecke und am Ziel soll es Kundgebungen geben.

Hessen Mobil empfiehlt ortskundigen Autofahrern, den Bereich weiträumig zu umfahren. Die Fahrbahn Richtung Norden ist nicht betroffen.

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