Fans des früheren Lokals an der Rudolf-Schwander-Straße organisieren große Wiedersehensfeier

Party wie damals im Downstairs: Wiedersehensfeier geplant

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Sie organisieren die Party: Klaus Spohr, Bernd Pressler und Rolf Bialecki (großes Bild von links) verbrachten früher viel Zeit in der legendären Kellerkneipe (Bild rechts oben). Angesagt hat sich auch der frühere Wirt Gerd Geselle. Das Bild rechts unten zeigt ihn 1991 mit dem „Downstairs“-Trabant, den ihm Stammgäste geschenkt hatten. 400 Mark hatten sie für den Kauf des Ost-Vehikels gesammelt.

Kassel. Manchen legendären Kneipennamen von einst muss man bloß erwähnen, damit eine ganze Generation früherer Szenegänger diesen verklärten Blick bekommt und Stories aus der wilden Zeit sofort die Runde machen. So ein Laden war bis 1996 das Downstairs an der Rudolf-Schwander-Straße nahe dem Scheidemannplatz.

Am 17. September soll es eine große Party für alle damaligen Fans und Gäste geben.

Angesagt hat sich dazu auch Downstairs-Wirt Gerd Geselle, der heute in Hamburg lebt. Von 1981 bis ’95 traf sich an seinem Tresen ein äußerst buntes Volk. Kasseler Musiker gingen hin, Studenten und Uni-Profs, stadtbekannte Ärzte waren ebenso im Downstairs anzutreffen wie Damen des Rotlichtmilieus. Und wenn die Huskies nach ihren gewonnenen Heimspielen feiernd in die Kellerkneipe einfielen, hatte „Gerdchen“ stets schon riesige Pizzableche organisiert.

„Im Downstairs sind immer verrückte Sachen gelaufen“, sagt Bernd Pressler, der damals „fast täglich“ da war, und grinst vieldeutig. Oft sei in dem verqualmten Keller noch bis zum frühen Morgen hinter verschlossener Tür weitergefeiert worden. Danach sei es gemeinsam an den Bugasee gegangen oder auch mal direkt zu beruflichen Terminen, wobei mancher Partylöwe nicht immer präsentabel ausgesehen habe.

Auch für die Musikerszene war das Downstairs ein wichtiger Ort. Kasseler Kultbands der Achtziger wie Stampede und Rendezvous traten dort im Wechsel mit Jazzgrößen wie Albert Mangelsdorff auf. „Da wurde der Billardtisch zur Seite geschoben, das war dann unsere Bühne“, sagt der frühere Stampede-Gitarrist Klaus Spohr.

Auch seine Biografie ist eng mit dem Downstairs verbunden. „Das war wie eine große Familie“, erinnert sich Spohr; „man brauchte sich nie zu verabreden, denn alle waren sowieso im Downstairs.“ Keine Frage, wohin Spohrs Weg spätabends gleich nach der Geburt seiner Tochter führte, um das Ereignis gebührend zu feiern.

In solchen Erinnerungen schwelgten Spohr, Pressler und Rolf Bialecki, als Düsseldorfer-Hof-Wirt Kostas Vick einen runden Geburtstag feierte. Da kam ihnen die spontane Idee, ein großes Wiedersehen der früheren Downstairs-Fans zu organisieren. Natürlich sollte auch „Gerdchen“ Geselle dabei sein, und das Trio rief noch von der Feier aus den heute 63-Jährigen in Hamburg an. „Gerd war total begeistert und hat sofort zugesagt“, berichtet Spohr.

Im Kreis vieler früherer Gäste will der ehemalige Szene-Wirt noch einmal Downstairs-Hits von einst auflegen und zeitweise auch selber hinter dem Zapfhahn stehen.

Die Downstairs-Revival-Fete wird am Samstag, 17. September, ab 18 Uhr im SVH-Sporthaus am Daspel in Harleshausen gefeiert. Dazu haben sich schon etliche frühere Gäste angesagt, die zum Teil längst nicht mehr in Kassel wohnen, sagt Mitorganisator Klaus Spohr. Wer Fragen zu den Festplanungen habe, könne unter der E-Mail-Adresse downstairs-revival-ks@gmx.de Kontakt aufnehmen. (asz)

Kneipenstandort mit Geschichte

Vor dem Downstairs waren an der oberen Rudolf-Schwander-Straße mehrere Lokale mit ähnlich legendärem Ruf ansässig:

• Erichs Kajüte war nach Krieg und Zerstörung eine der ersten Kneipen des neuen Kassel. Vor allem US-Soldaten und ihre deutschen Freundinnen trafen sich dort. Nach einer Schießerei mit Todesfolge wurde die „Kajüte“ geschlossen.

• Es folgte der Double Club, eine Animierbar mit Tischtelefonen.

• Die Oktave von Inhaber Hans Hemer war dann Kassels erste Kneipe für Jazzliebhaber.

• Unter dem Namen Blue Note führte Wolfgang Grimme die Kneipe und das Konzept fort.

• Das Downstairs wurde im Mai 1981 von Gerd Geselle und Henry Jänsch (Brasserie, Henrys Bistro) aufgemacht. Ein Jahr später stieg Jänsch als Mitbetreiber aus. (asz)

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