Firma will Immobilie behalten

Ehemaliges Party-Zentrum: Neuer documenta-Standort in Kassel steht fest

Kreativzentrum in der Nähe des Kulturbahnhofs: Blick in den Hinterhof in der Werner-Hilpert-Straße 22, wo früher der Club A.R.M. und die Weinkirche Party-Gänger anlockten.
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Kreativzentrum in der Nähe des Kulturbahnhofs: Blick in den Hinterhof in der Werner-Hilpert-Straße 22, wo früher der Club A.R.M. und die Weinkirche Party-Gänger anlockten.

Ein weiterer documenta-Standort in Kassel steht fest. Auch nach der Kunstausstellung soll hier die Kultur erhalten bleiben.

Kassel – Manche hatten das Party-Zentrum in der Werner-Hilpert-Straße schon für tot erklärt. Nun wird der Ort rund um die Lolita-Bar documenta-Standort und soll auch danach für die Kultur erhalten werden.

Früher wurden im A.R.M. und der Weinkirche nach Ansicht vieler die besten Partys in Kassel gefeiert, dann schien der Kulturstandort in der Werner-Hilpert-Straße schon fast tot zu sein, nun ermöglicht die documenta hier eine neue Perspektive. Am Mittwoch (15.09.2021) verkündete die Kunstschau die WH22, wie das Areal nach dem Kauf durch die Firma Mietstück heißt, als neuen Standort.

documenta fifteen in Kassel: 2500 Quadratmeter für Kunstschaffende

Wie das Hallenbad Ost, das Hübner-Areal in Bettenhausen und das Ruruhaus in der ehemaligen Sportarena wird der Ort erstmals als documenta-Ort genutzt. 2500 Quadratmeter Fläche stehen den künstlerischen Leitern von Ruangrupa zur Verfügung. Auf denen befand sich früher der Club A.R.M. In der Weinkirche fanden Konzerte und Feiern statt. Heute gibt es hier nur noch die Lolita-Bar, die Bob Wacholder betreibt.

Er hatte den Ort mit Ralph Raabe in den 90er-Jahren zum Treffpunkt der Subkultur gemacht. In dem Gebäude, in dem im 19. Jahrhundert die Weinhandlung Gundelach ihren Sitz hatte, traten Bands wie Tocotronic auf, bevor sie bekannt wurden. Die Hessischen Theatertage fanden hier statt. Kunst wurde ausgestellt. „Es war immer mehr als Party. Und auch Party ist schon ganz schön viel“, sagte Betreiber Ralph Raabe.

Nach dem fast zwei Millionen Euro teuren Umbau der Weinkirche war die Party jedoch vorbei. 2018 kaufte die Firma Mietstück dem verschuldeten Raabe die Immobilie ab. Unter anderem die Weinkirche musste wieder saniert werden, ehe es mit einem neuen Konzept weitergehen sollte. Dann kam die Pandemie dazwischen.

documenta fifteen in Kassel: Standort soll nachhaltig gesichert werden

Nun hoffen Ruangrupa, dass ihr Engagement dazu beiträgt, „die WH22 auch langfristig als Ort für diverses künstlerisches Schaffen zugänglich zu machen“, wie es in einer Mitteilung heißt. Jürgen Weide von Mietstück spricht von einer „glücklichen Fügung, die extrem gut ist für das Quartier“. Denn: „Das Konzept von Ruangrupa trifft den Nerv der Location.“

Damit ist nicht gemeint, dass Ruangrupa-Mitglied Reza Afisina als DJ gern Punkrock auflegt, der auch im A.R.M. die Tanzfläche gefüllt hätte. Weide gefällt das langfristige Denken der Kuratoren aus Indonesien: „Anders als andere documenta-Leiter wollen sie Standorte nachhaltig sichern und ertüchtigen.“ Weide ist überzeugt, dass „für die Zeit nach der documenta nun sehr viel möglich sein kann“. Seine Firma will die Immobilie behalten.

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Kassel: Lolita-Bar soll im Oktober wieder öffnen

Auch Dirk Wachholder, den alle nur Bob nennen, findet die Entscheidung „klasse“. Der Betreiber der Lolita-Bar ist Kunst-Fan und reist alle zwei Jahre zur Biennale nach Venedig. „Es tat mir weh, dass das tolle Gelände so lange nicht bespielt wurde“, sagt Wacholder und hofft: „Vielleicht sehen einige Besucher der documenta das Gelände mit Fantasie, um etwas dort zu entwickeln.“

Seine Bar ist seit 18 Monaten wegen Corona geschlossen. Nur der Biergarten blieb Treffpunkt. Aber Wachholder hat noch eine gute Nachricht: Im Oktober soll auch die Lolita-Bar wieder öffnen. (Matthias Lohr)

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