KVG sucht nach Lösungen

Lebensgefährlich: Passanten steigen über Tram-Kupplungen

Gekoppelte Bahnen: Diese Fotos vom Königsplatz hat HNA-Leser Dieter Türck geschossen, um die Gefahr zu belegen.

Kassel. Wer über die Kupplungen von Straßenbahnen steigt, begibt sich ins Lebensgefahr. Ein Elfjähriger war jetzt bei dem Versuch in Darmstadt vom Anhänger einer Bahn überrollt worden und gestorben. Auch in Kassel besteht das Risiko.

Die KVG lässt seit Dezember 2013 aneinandergekuppelte Straßenbahnen auf der Linie 1 in so genannter Doppeltraktion fahren. Gekuppelt fahren auch täglich drei Regiotrams sowie zwei Bahnen im morgendlichen Schülerverkehr auf der Lossetalstrecke. Weil die 60 Meter langen Bahnen ein Hindernis darstellen, steigen auch in Kassel immer wieder Passanten über die Kupplung in der Mitte. Zu Unfällen ist es deshalb nach KVG-Angaben noch nicht gekommen.

Wegen des tragischen Unfalls in Darmstadt will sich die KVG nächste Woche mit den Verkehrsbetrieben in Darmstadt und Frankfurt abstimmen, ob es wirksame Sicherungsmöglichkeiten gibt. Ein Gespräch mit der technischen Aufsichtsbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt ist für den 29. Januar geplant.

Allerdings, so KVG-Sprecherin Heidi Hamdad, zeigten die Erfahrungen in anderen Straßenbahnstädten, dass die dort erprobten Sicherungssysteme häufig andere Gefahren mit sich brächten. So würden die Kupplungen der Straßenbahnen andernorts etwa mit Ketten, Gurten und Kunststoffbändern abgesperrt. Dies führe aber dazu, dass sich gerade junge Menschen zum so genannten Bahn-Surfen verleiten ließen. Dabei steigen sie auf die Kupplung und fahren so mit der Straßenbahn mit.

Nach dem aktuellen Kenntnisstand gebe es derzeit keinen wirksamen Schutz. „Anderseits verbietet auch allein schon der gesunde Menschenverstand das Übersteigen der Kupplung“, sagt Hamdad. Das Problem sei, dass der Fahrer diesen Bereich nur sehr schlecht einsehen könne.

Deshalb werde nun mit den anderen hessischen Verkehrsbetrieben erörtet, ob es eine gemeinsame Lösung gibt. Denn eine wie auch immer geartete Sicherungstechnik müsste von der Aufsichtsbehörde zugelassen werden. Für die Regiotrams sei das Eisenbahnbundesamt zuständig. „Wir brauchen eine hessenweite Regelung“, sagt Hamdad.

Von Bastian Ludwig

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.