Patientenzahl steigt: Immer mehr Kasseler leiden an Depressionen

Kassel. Wegen psychischer Leiden wie Depressionen oder Burn-out kommen immer mehr Menschen ins Krankenhaus. Auch in den für Stadt und Kreis Kassel zuständigen Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie ist die Zahl der depressiv Erkrankten im stationären Bereich in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

Das bestätigt Andrea André, Sprecherin von Vitos Kurhessen. Am Standort Bad-Emstal-Merxhausen laute bei 1300 von 4550 Patienten im stationären Bereich die Hauptdiagnose: Depression.

Von mehr als 2000 Behandlungsfällen des Kasseler Ludwig-Noll-Krankenhauses hat jährlich knapp die Hälfte depressive Symptome in der ersten oder zweiten Diagnose, sagt die leitende Oberärztin Dr. Annette Menzel. Bei der Beratungsstelle des Studentenwerks der Uni Kassel fanden im vergangenen Jahr 1298 Therapiegespräche wegen psychischer Probleme statt.

Auch die Zahl der als behindert anerkannten seelisch Kranken ist in Stadt und Kreis stetig gewachsen, berichtet Elke Bockhorst vom Landeswohlfahrtsverband Hessen. Waren es 2005 in der Stadt 338, so waren es 498 im Jahr 2010. Im Kreis stieg die Zahl in diesem Zeitraum von 231 auf 314.

Als Gründe nennen Ärzte und Psychiater den erhöhten Leistungsdruck in Beruf und Schule sowie die Tatsache, dass bei vielen Menschen soziale Netze wie Freunde und Familie nicht mehr funktionierten. In der Vitos-Klinik haben Ärzte eine Therapie entwickelt, die an den Lebensumständen der Betroffenen ansetzt. Depressionen würden wesentlich durch Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich ausgelöst, sagt der Ärztliche Direktor Dr. Michael Franz.

Nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK leiden fünf Prozent der Bevölkerung an Depressionen. Ihre aktuelle Studie zeigt, dass sich die Zahl derer, die wegen psychischer Leiden ins Krankenhaus kommen, in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt hat. 2. Seite

Von Beate Eder

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