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Patientinnen leiden an ständigen Schmerzen: Klinikum Kassel bietet Endometriose-Sprechstunde für Frauen an

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Von: Anna-Laura Weyh

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Viele Lebensbereiche beeinflusst: Eine Endometriose sorgt für starke, ständig auftretende Schmerzen.
Viele Lebensbereiche beeinflusst: Eine Endometriose sorgt für starke, ständig auftretende Schmerzen. © David Ebener/dpa

Starke Schmerzen während der Regelblutung können Anzeichen für eine Endometriose sein. Fragen und Antworten zu der Unterleibserkrankung.

Kassel – Gebärmutterschleimhaut ähnliches Gewebe wächst bei der Krankheit außerhalb der Gebärmutterhöhle. Laut Endometriose-Vereinigung leiden bis zu 15 Prozent aller Frauen an der Krankheit, dennoch ist diese recht unbekannt. Im Klinikum in Kassel gibt es eine Endometriose-Sprechstunde. Von der Selbsthilfe-Organisation Deutsche Endometriose-Vereinigung wurde das gynäkologische Zentrum kürzlich zertifiziert. Fragen und Antworten.

Welche Symptome haben die Betroffenen?

Prägnant sind starke, krampfartige Unterleibsschmerzen, die oft zusammen mit der Regelblutung auftreten, dann aber chronisch werden und bis in den Unterbauch, den Rücken und die Beine ausstrahlen. „Häufig gehen damit auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr einher“, sagt Dr. Yvonne Norpoth, Oberärztin der Frauenklinik im Klinikum Kassel.

Die Endometriose beeinflusst viele Lebensbereiche bis zum Kinderwunsch. Bei etwa 40 bis 60 Prozent der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, stecke eine Endometriose dahinter, heißt es. „Außerdem machen die ständigen Schmerzen die Patientinnen mürbe. Die psychische Belastung ist groß“, sagt Norpoth.

Was passiert bei der Endometriose im Körper?

Bei den betroffenen Frauen siedelt sich während der Pubertät Gewebe außerhalb der Gebärmutter an, das der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist. Die Diagnose erfolgt meist erst im Alter von 25 bis 40 Jahren. Die Endometriose-Herde wuchern an den Eierstöcken, am Darm oder Bauchfell. Sie ähneln der Gebärmutterschleimhaut und verändern sich entsprechend des Menstruationszyklus. Da das abgelöste Gewebe jedoch nicht wie eine Regelblutung aus dem Bauchraum abfließen kann, kommt es zu den Beschwerden.

Haben alle Frauen so starke Beschwerden?

Die Krankheitsbilder können sehr vielseitig sein, deswegen gilt die Endometriose auch als Chamäleon der Gynäkologie. Manche Betroffene haben nahezu keine Schmerzen und somit auch keinen Behandlungsbedarf. Bei etwa der Hälfte der Patientinnen muss jedoch von einem dauerhaften Therapiebedarf ausgegangen werden, so die Endometriose-Vereinigung. Endometriose habe eine hohe Rezidivrate, also nach der Entfernung eines Herdes können neue entstehen.

Bei wem bricht die Krankheit aus?

Weshalb sich Endometriose-Herde bilden und warum einige starke und andere kaum Beschwerden verursachen, ist bislang ungeklärt. Fest steht aber, dass es eine genetische Komponente gibt, so Norpoth.

Wo können sich Betroffene informieren?

Der erste Schritt ist die Abklärung beim niedergelassenen Frauenarzt. Er stellt die Weichen für das weitere Vorgehen. Die Endometriose-Sprechstunde in der gynäkologischen Ambulanz des Klinikums findet immer dienstags von 8.30 bis 11 Uhr statt. Ein Termin und eine Überweisung des niedergelassenen Frauenarztes sind notwendig.

Der Termin kann vereinbart werden unter Tel.: 05 61/9 80 53 00 oder per Mail unter gynamb@klinikum-kassel.de. „Unsere Wartezeiten betragen etwa drei Monate“, sagt Norpoth. Besonders akute Fälle können vorgezogen werden. Die Nachfrage steige stetig. „Wir versuchen, weiter dafür zu sensibilisieren, damit die Krankheit schneller erkannt wird“, so die Oberärztin.

Was passiert vor Ort in der Sprechstunde?

Der erste Termin umfasst eine Erhebung der Vorgeschichte der Patientin sowie ein Gespräch über die Art der Beschwerden. Im Anschluss erfolgt die Untersuchung, die sich kaum von einem normalen Besuch bei der Gynäkologin unterscheidet. Im Ultraschall können bereits Anzeichen für eine Endometriose festgestellt werden. Bei spezifischen Beschwerden, die zum Beispiel den Darm betreffen, werden weitere Untersuchungen empfohlen.

Wie geht die Therapie dann weiter?

Die Krankheit ist nicht heilbar, die Symptome können aber gelindert werden. In frühen Stadien gibt es die Möglichkeit einer hormonellen Therapie in Langzeitzyklen. „Dafür gibt es sozusagen eine spezielle Endometriose-Pille“, sagt Norpoth. Gerade junge Frauen seien aber mittlerweile sehr hormonkritisch.

Die Endometriose kann auch operiert werden. Zuvor wird bei einer Bauchspiegelung eine Gewebeprobe entnommen und untersucht. „Wir versuchen, das Wegschneiden und Veröden der Herde möglichst in die Länge zu ziehen und die Abstände zwischen den Operationen zu vergrößern“, sagt die Gynäkologin.

Welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus?

Ergänzend informiere die Frauenklinik auch über Therapie zur Akupunktur oder Elektrostimulation, sagt Norpoth. Ebenso seien Physiotherapie und Osteopathie sowie Entspannungsübungen Möglichkeiten, die Beschwerden der Endometriose zu linden. „Auch antientzündliche Ernährung kann helfen“, sagt Norpoth.

Weitere Infos unter gnh.net/endometriose

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