Wettbewerbe für Architekten und Planer: Wer Pech hat, geht leer aus

Der zweite Preisträger hat die Nase vorn: Die Stadt will das Grimm-Museum auf dem Weinberg nach den Plänen des Büros Kadawittfeld bauen. Illustration: Kadawittfeldarchitektur/nh

Kassel. Architektenwettbewerbe helfen bei der Suche nach der besten Lösung für ein Bauvorhaben. Auch für den Neubau des Grimm-Museums hat die Stadt einen Wettbewerb ausgelobt, bei dem Architekten und Planer in Vorleistung gehen. Ihr Einsatz wird nicht immer honoriert. Trotzdem stehen Wettbewerbe hoch im Kurs.

Eine Beispielrechnung finden Sie am Ende des Textes

Überraschungen sind nicht ausgeschlossen: Der Kasseler Architekt Tore Pape hat zwar den Wettbewerb gewonnen, nach seinen Plänen gebaut wird das Grimm-Museum auf dem Weinberg aber nicht. Im Zuge des Vergabeverfahrens hat sich der Magistrat dazu entschlossen, dem Entwurf des Aachener Büros Kadawittfeld und damit dem zweiten Preis den Vorzug zu geben. Der ist aus seiner Sicht flexibler.

Für das junge Kasseler Büro bedeutet das nicht nur eine herbe Enttäuschung. Mit der Entscheidung verliert es auch einen lukrativen Auftrag, der in greifbarer Nähe schien. Neun Mio. Euro soll der Neubau ohne Ausstattung kosten. Was bleibt sind das Preisgeld in Höhe von 25 000 Euro und ein Wettbewerbssieg, der gut fürs Renommee ist.

Gut fürs Renommee

Die fachliche Anerkennung ist laut Gesine Ludwig von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) auch ein Grund, warum Architekten und Planer unentgeltlich viel Zeit und Mühe aufbringen. In der Regel arbeiteten sie acht bis zehn Wochen an der Aufgabe, bei großen Vorhaben mehr. Wer Pech hat, geht leer aus. „Es ist schon ein enormer Aufwand, weil man in Konkurrenz zu den Kollegen steht“, sagt die Architektin. „Man will gut sein.“ Der Wettbewerb diene auch als Leistungskontrolle. Die Beurteilung der Jury sei für die Teilnehmer über die Protokolle nachvollziehbar. „Es ist auch ein Stück weit Lernen.“

Das Interesse an Wettbewerben ist laut Ludwig groß. In Hessen würden 30 bis 40 Verfahren im Jahr ausgelobt. „Die Bewerberzahlen sind immer sehr hoch“, sagt sie. Architekten könnten sich über Wettbewerbe am Markt positionieren. Für öffentliche und private Bauherren sei die Auslobung lohnend. „Für eine Kommune ist es ein absolut wirtschaftliches Verfahren, um zu alternativen Entwürfen zu kommen.“ Die Gebäude seien von guter Qualität, funktional und kostengünstig, auch weil viele Fragen wie zum Beispiel Belange des Denkmalschutzes bereits im Vorfeld abgearbeitet würden. Vergaberechtlich sei es in Ordnung, wenn der zweite oder dritte Preis gebaut würde, auch wenn die Kammer eine andere Sicht vertrete. „Es wäre schön, wenn der Erste beauftragt wird.“

Für Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) bietet der Wettbewerb neben dem Gestalt- und Denkmalbeirat die Möglichkeit einer - wenn auch begrenzten - öffentlichen Diskussion über das Bild der Stadt. Er biete vielfältige architektonische Lösungen für eine Bauaufgabe an, aus denen die beste ausgewählt werde. „Ein Wettbewerb ist zum Beispiel auch für das Grundstück des Stadtbads Mitte nötig“, sagt Nolda. Die Architekten zeigten mit ihrer Teilnahme einen ehrenamtlichen Einsatz, „den sonst keine Berufsgruppe aufbringt“.

Den nun ausgewählten Entwurf für das Grimm-Museum erläutert Architekt Gerhard Wittfeld heute ab 17 Uhr bei einem Bürgerforum im Rathaus.

Wettbewerbskosten: Eine Beispielrechnung

Der Wettbewerb für das Grimm-Museum auf dem Weinberg war insgesamt mit 60 000 Euro dotiert. Von den 14 Entwürfen wurden drei prämiert (25 000, 18 000, 12 000 Euro) und zwei mit Anerkennungen bedacht (3000 und 2000 Euro). Die übrigen gingen leer aus. Für Wettbewerbe, die meist anonym sind, gelten feste Regeln. Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) hat einen kleinen Leitfaden mit einer Beispielrechnung zusammengestellt.

Die Summe für Preise und Anerkennungen entspricht dem Honorar, das einmal für Leistungen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure gezahlt würde. Für den Bau einer Kindertagesstätte (eine Mio. Euro plus 80 000 Euro für Außenanlagen) ergibt sich eine Summe von 8530 Euro, mit Zusatzleistungen wie Modellbau und vertiefender Planung 13 000 Euro für den gesamten Wettbewerb, die unter den Preisträgern aufgeteilt werden. Das Preisgeld kann auf weitere Leistungen angerechnet werden, wenn der Preisträger den Auftrag für den Bau erhält. Hinzu kommen Kosten für Preisrichter und Sachverständige.

Fachpreisrichter erhalten je nach zeitlichem Aufwand zwischen 400 und 1000 Euro pro Sitzungstag sowie Reise- und Übernachtungskosten erstattet. Laut AKH können durch Wettbewerbe bis zu zehn Prozent der Baukosten eingespart werden.

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