Umfrage bei Schulleitern und Schülern

Pegida ist Thema an Kasseler Schulen

Ludger Becklas

Kassel. Die Themen Pegida und ausländerfeindliche Kundgebungen werden an Kasseler Schulen ebenso behandelt wie die jüngsten Terroranschläge in Paris.

Doch nicht alle Schüler erreicht die Aufklärung über aktuelle Themen gleichermaßen. Das ergab eine Umfrage der HNA.

Der Tenor der Kasseler Schulleiter ist deutlich: Aktuelle Geschehnisse sollen Teil der Unterrichtseinheiten sein. Aber wie wird das Thema Pegida in den Schulen wirklich behandelt und ist dieser Ansatz für die Schüler greifbar?

Der Schulleiter des Goethe-Gymnasiums, Ludger Becklas, sagt, dass die Kollegen aktuelle Themen wie Pegida in den Fächern Politik und Wirtschaft behandeln. Knapp 33 Prozent der Schüler sind Migranten, deshalb sei es wichtig, dass sich alle Schüler mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen. Für Becklas ist die Pegida-Bewegung beängstigend: „Vor 80 Jahren wurden Juden an den Pranger gestellt. Jetzt sind es Muslime.“

Im Unterricht

Der Schulleiter der Albert-Schweitzer-Schule (ASS), Stefan Alsenz, sagt: „Aktuelle Themen, auch die Anschläge in Paris, behandeln wir im Unterricht. Ich habe dies zum Beispiel im Deutschunterricht gemacht.“ Die ASS reagiere auch auf Pegida, „indem wir just in diesen Tagen zu einer besonderen Veranstaltung einladen: Anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus wird die ASS am 27. Januar eine Gedenktafel für ihren in Buchenwald erschossenen ehemaligen Schüler Paul Mondschein anbringen und in der Aula über sein Schicksal und das seiner Familie informieren.“

Auch Wilfried Dülfer, stellvertretender Schulleiter der beruflichen Oskar-von-Miller-Schule, findet es sehr wichtig, Pegida im Unterricht zu beleuchten. Er plädiert für die Vermittlung einer ethisch-moralischen Grundordnung, die den Schülern mit auf den Weg gegeben werden soll.

Auf dem Schulhof der Oskar-von-Miller-Schule gibt es geteilte Meinungen zur Thematisierung von Pegida im Unterricht.

Der 18-jährige Jannig Brauner kannte die Bewegung zuvor noch nicht: „In der Schule habe ich das erste Mal von Pegida gehört, als es Gesprächsstoff im Unterricht wurde. Anhand von Karikaturen und Videos haben uns Lehrer die Hintergründe und Ziele der Bewegung erklärt“, sagt er. Trotz der hilfreichen Informationen würden viele Mitschüler Desinteresse zeigen und sich an Diskussionen nicht beteiligen.

Die 20-jährige Carina Gottwald sieht die rechte Szene in Deutschland generell als großes Problem an: „Die Pegida-Proteste sind bedrohlich. Im Unterricht behandeln wir sie aber trotzdem nicht“, erzählt die Oskar-von-Miller-Schülerin. Carina Gottwald ist in der Abschlussklasse, in der die Unterrichtseinheiten mit genügend Stoff für die Prüfungen gefüllt seien. Für andere Themen gebe es im Prüfungsstress keine Zeit.

Von Verena Schulz und Rebecca Rohrbach

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