Trauerhallen werden seltener genutzt

Friedhofsverwaltung hat seit der Pandemie weniger Einnahmen

Seltener genutzt: die Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof.
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Seltener genutzt: die Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof.

Corona stellt die Friedhofsverwaltungen vor Schwierigkeiten und bringt ihnen zudem massive Einbußen. Hinzu kommt, dass vielen Menschen die Trauer ins Internet verlagern. Darüber haben wir mit Eckehart Göritz, Dienststellenleiter der Kasseler Friedhofsverwaltung, gesprochen.

Herr Göritz, was ist in diesen Zeiten das größte Problem auf den Friedhöfen?
Wir haben vor allem damit zu kämpfen, dass eine unserer Hauptdienstleistungen, nämlich das Bereithalten der Friedhofskapellen und Trauerhallen, nicht in dem Maß nachgefragt wird, wie das sonst der Fall war. Mit Blick auf unsere Gesamteinnahmen macht das schon einen hohen Anteil aus.
Konkret?
Geschätzt ist allein bei den Trauerhallen ein Rückgang von 15 bis 20 Prozent zu verzeichnen. Wenn man das beziffern würde, sind das grob 300 000 Euro, die uns an Einnahmen fehlen. Für ein Friedhofswesen wie Kassel sind das enorm hohe Zahlen. Das müssen wir erst mal stemmen, weil es niemanden gibt, der uns da auffängt. Wir müssen in den kommenden Jahren durch extrem sparsame Haushaltsführung sehen, wie wir dieses Loch wieder füllen können. Wir werden wahrscheinlich sparen müssen und unsere Technik nicht erweitern können.
Gibt es für Ihre Branche Unterstützung?
Kurzarbeit ist nicht angedacht und wäre auch nicht umsetzbar. Wir haben leider auch keinen Status als systemrelevante Institution wie beispielsweise Bestatter. Was man bislang nicht gesehen hat, ist, dass auch die Friedhöfe eine systemrelevante Einrichtung sind. Uns hat man da komplett vergessen.
Sehen Sie den Hauptgrund, dass die Trauerhallen nicht mehr genutzt werden, vor allem darin, dass die Menschen Angst haben sich anzustecken?
Zum einen das und man möchte bereits im Vorfeld ausschließen, dass viele Menschen zusammenkommen. Da wir die Zahl der Plätze ohnehin aufgrund der Hygienevorgaben begrenzen müssen, ziehen es viele auch vor, die Trauerfeier nur im Außenbereich stattfinden zu lassen. Dort gibt es bislang keine Beschränkung der Personenzahl.
Ist es den Menschen denn nach wie vor wichtig zusammenzukommen?
Das sagen uns viele. Aber im Moment ist die Vernunft der Sieger, und das ist auch gut so. Unser Bestreben als Kirche ist, dass Menschen zusammenkommen sollen. Wenn das nicht möglich ist, ist das schwer auszustehen.
Glauben Sie, dass es da noch strengere Vorgaben geben könnte?
Das ist schwer zu sagen. Aber man möchte schon gern, dass sich Familien auf den Friedhöfen treffen können. Und man möchte es nicht so weit reglementieren, dass man ganz genau vorschreibt, wie viele Personen das sein dürfen. Wir schicken niemanden nach Hause, wenn bei einer Bestattung ein paar mehr Trauergäste kommen. Aber die müssen dann eben draußen stehen. Es muss eine Liste mit den Teilnehmern der Trauerfeier erstellt werden. Es gab zeitweise eine Begrenzung auf fünf Personen. Wir sind da in Situationen gekommen, in denen unsere Mitarbeiter Menschen nach Hause hätten schicken müssen. Da hat das Ministerium aber schnell gesehen, dass man nicht bis ins letzte Detail Vorschriften machen kann, wenn es um den Tod geht.
Glauben Sie, dass Online-Trauerfeiern zunehmen werden?
Der persönliche Kontakt wird immer wichtig bleiben. Das ist wie bei einer Reise. Ich kann mir natürlich im Fernsehen einen Bericht über ein fremdes Land ansehen, aber es ist nie so, als wenn ich selbst dort gewesen wäre. Es gibt immer weniger Anlässe, bei denen die Familie zusammenkommt. Die Trauerfeier ist fast das Einzige, wo das noch so ist. Da wäre es traurig, wenn das zukünftig alles nur noch im Internet stattfinden würde. Ich finde es genauso erschreckend, dass es virtuelle Friedhöfe gibt. Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Dort hat es Tradition, dass der Friedhof einen wichtigen Stellenwert als Ort hat. Auch der Gang dorthin ist ein Ritual. Eine Verortung des Todes wird man virtuell so nie hinbekommen.
Was macht die Friedhöfe als Ort aus?
Mir wäre wichtig, dass die Menschen neu über die Friedhöfe nachdenken. Viele vergessen, dass die Verortung des Todes sehr wichtig ist. Sie merken erst im Nachhinein, dass es wichtig ist, dass man auch eine Grabstätte hat, wo man hingehen kann. Die gibt es nicht, wenn das alles nur virtuell stattgefunden hat. Im Trauerwald und im Ruheforst, da gibt es keinen Grabstein, wo man hingehen kann. Und gerade für ältere Menschen wird es irgendwann ohnehin schwierig, rein von der körperlichen Mobilität, solche Orte noch zu erreichen. Wer die Asche eines Angehörigen auf dem Meer verstreut, kann nicht mal eben an diesen Ort zurückkommen. (Kathrin Meyer)

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