Erziehermangel wird sich verschärfen – Lage in Kassel durch Fachschulen entspannter

Personal für Kitas ist rar

Arbeitet in einem gefragten Beruf: Erzieherin Karin Muschik mit Robert, Dominik, Soha, Zeinab und Josephine in der evangelischen Kindertagesstätte der Thomaskirche am Brückenhof. Foto: Koch

Kassel. Die Zahl der Bewerbungen ist übersichtlicher geworden, wenn eine Erzieherstelle ausgeschrieben wird. „Insbesondere für befristete Stellen wird es zunehmend schwieriger, Personal zu finden“, sagt Stephan Heinisch, Verwaltungsdirektor des Evangelischen Stadtkirchenkreises Kassel, der Träger von 17 Kindertagesstätten in Kassel ist.

Noch könne man aber alle Stellen - derzeit sind 250 Erzieher bei der Kirche beschäftigt - qualifiziert besetzen, sagt Heinisch. Im Zuge des weiteren Ausbaus der Kinderbetreuung bundesweit „kriegen wir aber ein Problem“.

Das schätzt Landkreis-Sprecher Harald Kühlborn genauso ein. Man erfülle derzeit den Fachkräfteschlüssel in allen Kitas. Bei Neubesetzungen werde es aber immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden. „Wir bewegen uns auf einen Tunnel zu, und das Schwarze wird langsam sichtbar.“

Von einem Mangel will auch die Stadt Kassel bislang nicht sprechen. „Wir können noch auswählen“, sagt Franz-Josef Knoop, der im Jugendamt für die Kita-Planung zuständig ist. In den 120 Kindertagesstätten und Betreuungsgruppen in Kassel sind insgesamt 1300 Erzieher beschäftigt – 450 davon in den städtischen Kitas.

Nächstes Jahr werde man in der Stadt im Zuge des Ausbaus etwa 50 weitere Erzieherinnen brauchen. „Bisher sieht es nicht so aus, dass wir dabei ein Problem bekommen“, sagt Knoop. In Kassel habe man das Glück, gleich mehrere Fachschulen vor Ort zu haben: Im Fröbelseminar, der Elisabeth-Knipping-Schule und im Rudolf-Steiner-Institut werden Erzieherinnen ausgebildet. „Wir sitzen an der Quelle“, sagt Knoop. Da viele der angehenden Erzieherinnen ihr Praktikum in Kassel absolvierten, würden schon Kontakte geknüpft, die in eine Anstellung münden könnten.

Bessere Angebote im Süden?

Natürlich wisse man nicht, was die südhessischen Kommunen, in denen der Erziehermangel gravierender sei, unternähmen, um Personal anzuwerben. „Es kann durchaus sein, dass es dort dann bessere Angebote gibt.“ Deshalb sei es wichtig, den Erzieherinnen einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten - mit ordentlicher Bezahlung, Aussicht auf Unbefristung und Fortbildungsmöglichkeiten. Dumpinglöhne zu zahlen, könne sich kein Träger erlauben, sagt der Jugendamtsmitarbeiter, „das würde sich schnell rächen.“

Auch die Fachschulen spüren den hohen Bedarf an Erziehern. „Vor drei bis vier Jahren gab es zum Ende des Schuljahrs immer einige, die noch kein Berufspraktikum hatten,“ sagt Dr. Martina van den Hövel, Leiterin des Fachbereichs Sozialpädagogik der Elisabeth-Knipping-Schule. Das komme heute nicht mehr vor.

Die Nachfrage nach der Ausbildung sei stark gestiegen, sagt van den Hövel. Im kommenden Jahrgang bilde man vierzügig aus, also mit einer Klasse mehr als bisher. Zudem biete man zwei Teilzeitausbildungen an. Auch das Fröbelseminar hatte seine Kapazitäten zuletzt erhöht.

Von Katja Rudolph

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