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Personalnot: Briefpost kommt in Kassel nicht mehr täglich

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Von: Anna Lischper

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Deutsche Post
In manchen Teilen Kassels werden Briefe nicht mehr täglich zugestellt. © Sven Hoppe/dpa

Es ist ein bundesweites Problem, das sich auch auf Kassel auswirkt: Die Deutsche Post hat massive Personalprobleme. In manchen Teilen der Stadt wird Briefpost nicht mehr täglich zugestellt.

Kassel – Seit Mitte September sehe man „zum Teil rasant steigende Infektionszahlen auch in unseren Betriebsstätten“, teilt Postsprecher Thomas Kutsch auf Nachfrage mit. An der hohen Inzidenz würden auch Maskenpflicht in den Betriebsstätten, Testangebote und Abstandsregelungen nichts ändern. Der Ablauf sei klar geregelt: Ist ein Brief- oder Paketzusteller an Corona erkrankt, dürfe er nicht mehr seiner Arbeit nachgehen. Das Problem: Ersatzpersonal ist nicht in Sicht. „Personalreserven stehen ad hoc nicht zur Verfügung“, so Kutsch, der auf die Lage am deutschen Arbeitsmarkt verweist.

„Uns erreichen bislang keine Beschwerden“, sagt Monika Zimmering von der gleichnamigen Papeterie. „Aber zu uns kommen die Kunden ja in erster Linie, um zu verschicken.“ Wer einen normalen Brief versenden möchte und Wert auf Sicherheit legt, dem empfiehlt sie die Prio-Option für 1,10 Euro. „Der Brief geht dann schneller weg und kann nachverfolgt werden.“

Thomas Kutsch Sprecher Deutsche Post
Thomas Kutsch, Sprecher Deutsche Post © Fischer, Andreas

Die Post indessen sucht, um langfristig Entspannung zu schaffen, händeringend nach Personal – etwa mit Plakaten, die auch in Kassel verteilt sind. „Wir suchen mit Hochdruck Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowohl befristet als auch unbefristet, um die temporären personellen Engpässe in unserem Post- und Paketgeschäft aufzufangen.“ Nebenbei: Ein Brief- und Paketzusteller verdiene bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden 2400 und 3800 Euro brutto pro Monat.

Aktuell würden Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Post, wie etwa aus der Kasseler Verwaltung aushelfen. Auch seien die Grenzen der einzelnen Zustellbezirke momentan fließend und die Auslieferung von Briefen und Paketen werde enger verzahnt.

„Eine werktägliche Zustellung an alle Haushalte kann dann wieder durchgeführt werden, wenn hierfür ausreichendes Personal vorhanden ist“, so der Sprecher.

Einstellungen vor Weihnachtsgeschäft

Kamen im Jahr 2010 in Deutschland noch 21 Briefe auf ein Paket, so lag dieses Verhältnis 2020 bei 8 zu 1. Tendenz sinkend: Für das Jahr 2025 rechnet die Deutsche Post damit, dass fünf Briefe auf ein Paket kommen. Um das Paketaufkommen vor allem im Hinblick auf Weihnachten stemmen zu können, stelle die Post bundesweit 10 000 Mitarbeiter ein. Auch werden die Zustellbezirke verkleinert, damit ein Fahrer weniger Haushalte bedienen muss, so Sprecher Thomas Kutsch.

Probleme mit der Post in Kassel: „Für normale Briefe gibt es keine Lieferfrist“

Seit Reinhilde Schmidt über die Benachrichtigungsfunktion der Deutschen Post eine Mail auf ihr Handy bekommt, weiß sie, wenn ein Brief zu ihr unterwegs ist – und, wenn einer unterwegs sein sollte, aber keiner ankommt.

So ging es ihr jetzt mehrfach. In der Woche ab dem 10. Oktober habe sie täglich Mails bekommen, die jeweils Briefsendungen ankündigten. „Ein Brief ist unterwegs zu Ihnen und wird in Kürze in Ihren Briefkasten zugestellt“, hieß es darin. Dazu der Absender. „Sonst sehe ich den Briefträger oft, wenn er vormittags vorbeiradelt. Aber im Moment ist keiner zu entdecken“, schildert die 71-Jährige. Am Samstag, 15. Oktober, schließlich seien sechs Briefe auf einmal angekommen, darunter neben einem Angebot für eine Handwerkerleistung auch eine Rechnung. „Stellen Sie sich mal vor, es kommt ein Brief mit einer Frist. Und auch eine Rechnung muss ja zeitnah beglichen werden.“

Hätte sie die Mailfunktion nicht, wüsste sie nicht einmal, dass ein Brief unterwegs ist. Im Falle der letzten Mail warte sie noch immer auf den angekündigten Brief. „Am 22. Oktober hieß es, es kommt einer. Bis heute habe ich keinen erhalten.“ Weil Reinhilde Schmidt gehörlos ist, ist sie auf die Kommunikation auf dem Briefweg und per Mail angewiesen. „Zu der Handwerksfirma bin ich dann persönlich hingegangen, und die haben mir das Schreiben dann noch mal ausgedruckt.“ Für einen gewöhnlichen Brief gibt es laut AGB der Deutschen Post keine Lieferfrist, merkt Post-Sprecher Thomas Kutsch an. Trotz aller Zustellprobleme könnten mehr als 80 Prozent aller Briefe am nächsten Werktag zugestellt werden. Mehr als 95 Prozent würden nach zwei Tagen ihre Empfänger erreichen. Um Zustellausfälle über mehrere Tage zu vermeiden, greife an Standorten mit besonders hohen Personalausfällen das Corona-Notfallkonzept. Dieses sehe etwa vor, dass die Haushalte nur jeden zweiten Werktag Briefe erhalten, so Kutsch.

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