Laut Personalplan sind 86 Stellen unbesetzt

Personalnot: Fehlen Erzieher im Kasseler Jugendamt?

Kassel. Das Problem mit fehlenden Erziehern könnte viel größer sein, als die von Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) angestoßene Debatte vermuten ließ. Warum sind 86 Stellen im Jugendamt unbesetzt?

Laut Stellenplan im aktuellen Haushaltsentwurf waren zum 30. Juni 2018 von 539 Stellen im sozialen und erzieherischen Bereich nur 452,8 besetzt. Die ungerade Zahl rührt daher, dass in dem Bereich etliche Angestellte nur in Teilzeit beschäftigt sind und somit nicht als volle Stelle berechnet werden.

Aber warum sind 86 Stellen im Jugendamt unbesetzt? Zumal in der Debatte zwischen Geselle und Jugenddezernentin Anne Janz (Grüne) von 18 Erzieherstellen die Rede war, die fehlen und für die Geselle schnelle Abhilfe forderte. Auf HNA-Anfrage konnte die Stadt Kassel in der Frage nicht für Aufklärung sorgen. Dazu habe er keine Information, so ein Stadtsprecher. Es handele sich aber im Stellenplan um Zahlen, die für das gesamte Jugendamt gelten würden und nicht auf die Kitas beschränkt seien.

Aus Sicht des Fraktionsvorsitzenden der Kasseler Linken, Lutz Getzschmann, ist die Personalsituation der Stadt katastrophal. „Die 18 fehlenden Kita-Stellen sind offenbar nur die Spitze des Eisberges“, so der Linke. Hinzu komme ein hoher Krankenstand in den Kitas. Laut Fehlzeitenstatistik der Stadt liegt er bei den Erzieherinnen bei 9,2 Prozent.

„In der Vergangenheit habe dies dazu geführt, dass einzelne Kita-Gruppen zeitweise durch Praktikanten geführt werden mussten“, sagt Getzschmann.

Die Stadt bestreitet derartige Vorfälle. Auch ohne die bislang fehlenden 18 Erzieherstellen, die nun geschaffen und schnell besetzt werden sollen, gebe es einen Personalbesetzungsgrad von 95 Prozent in den Kitas.

Die Kasseler Linke indes fordert, in einem ersten Schritt die Entfristung der bestehenden Verträge. Es sei nicht nachvollziehbar, wie in einer so angespannten Lage weiterhin über 60 Erzieherinnen nur befristet beschäftigt seien. „Der Bedarf ist vorhanden, und die Stadt sollte versuchen, diese Mitarbeiter an sich zu binden. Schließlich ist nicht zu erwarten, dass wir in Zukunft weniger Kitas benötigen werden“, sagt Getzschmann. Er fordert die Stadt auf, die freien Stellen stärker auszuschreiben und nicht – wie bislang – vor allem auf Initiativbewerbungen zu warten.

Die Stadt verweist darauf, dass die befristet eingestellten Mitarbeiter in der Regel Personal in Mutterschutz, Elternzeit und langfristiger Erkrankung vertrete.

Getzschmann hält es für sinnvoll, wenn die Stadt die Attraktivität ihrer Stellen im Kita-Bereich durch eine übertarifliche Bezahlung steigern würde. Der Wettbewerb ums Personal sei groß.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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