Verkehrsgesellschaften gehen in die Offensive

Personalnot bei KVG, Cantus und anderen: Fahrer dringend gesucht

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Bei der KVG herrscht Fahrermangel.

In Städten wie Leipzig und Darmstadt sind die Alarmsignale im öffentlichen Nahverkehr schon unübersehbar. Auch in der Region fehlt das nötige Personal.

Fahrer für Busse und Bahnen werden teilweise händeringend gesucht. „In einigen Städten mussten Linien eingestellt und Fahrten gestrichen werden“, sagt Dr. Thorsten Ebert, Vorstand der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG).

So weit soll es in Kassel und ganz Nordhessen nicht kommen. Deshalb gehen sowohl die KVG als auch andere Verkehrsgesellschaften in die Offensive. An Bussen und Straßenbahnen sieht man Werbung für Berufseinsteiger und Wechselwillige. „Wir müssen uns deutlich aktiver im Arbeitsmarkt zeigen“, sagt Ebert. Nach den Pflegediensten, den Krankenhäusern und der Gastronomie hat der Fachkräftemangel auch den öffentlichen Nahverkehr erreicht. 350 eigene Fahrer beschäftigt die KVG aktuell. Um Engpässe durch Krankheit und Urlaub auszugleichen, will das Unternehmen noch 20 bis 22 weiter Mitarbeiter einstellen.

Vergleichbar ist die Situation bei den Unternehmen Cantus (mehrere Bahnstrecken in Nord- und Osthessen), der Regiotramgesellschaft (Regiotrams rund um Kassel) und der Kurhessenbahn (Korbach, Bad Wildungen). „Wir suchen Triebfahrzeugführer und Lokführer“, sagt Thomas Wolf, Geschäftsführer der Regiotramgesellschaft (RTG). Erstmals ist die bei der Personalsuche eine Kooperation mit anderen Unternehmen eingegangen.

Auch in der Ausbildung bereits gutes Geld verdienen

Für alle gilt: „Man verdient schon in der Ausbildung gutes Geld“, sagt Michael Anacker, stellvertretender Betriebsleiter bei Cantus. Mit 2500 Euro im Monat könnten die Auszubildenden rechnen, das Einstiegsgehalt liege bei 3000 Euro. Erstmals werde man auch einen gemeinsamen Informationstag für Eisenbahnberufe im Kasseler Kulturbahnhof veranstalten (siehe Hintergrund).

Die Bezahlung nach Tarif ist einer der Vorteile, Bewerber müssen sich aber auch auf flexible Arbeitszeiten einrichten. Weil Bahnen und Busse auch sonn- und feiertags fahren, sind das regelmäßige Arbeitstage. Früh- und Spätschichten gehören ebenfalls zum Berufsbild.

Weil die Unternehmen an verschiedenen Standorten aktiv sind, versprechen sie sich davon, mehr Interessenten anzusprechen. Unter anderem geht es um Bewerber aus dem Umfeld von Kassel, Bebra, Göttingen und Eisenach (Cantus) sowie Wolfhagen, Hümme und Kassel (RTG) oder Korbach (Kurhessenbahn). Angesichts ähnlicher Tarifbedingungen könne man sich gut austauschen.

Ziel ist es, dass das Angebot im öffentlichen Nahverkehr nicht aus Personalknappheit reduziert werden muss. Und wie sieht es mit autonomen Fahrzeugen aus? „Vielleicht gibt es die irgendwann mal“, sagt Thomas Wolf. Aber in absehbarer Zeit sei das noch kein Thema.

Karrieretag im Kulturbahnhof

Am Samstag, 29. Juni, findet im Kasseler Kulturbahnhof ein gemeinsamer Karriere- und Informationstag der Verkehrsunternehmen Cantus, Regiotramgesellschaft (RTG) und Kurhessenbahn statt. Von 10 bis 16 Uhr kann man unter anderem am Fahrsimulator testen, ob man als Triebwagen- oder Lokführer geeignet ist. Voraussetzung für die Ausbildung ist ein Eignungstest. 

Bewerber sollten körperlich fit sein, sowie Tests in Rechtschreibung und Verkehrsgeografie bestehen. Auch ein psychologischer Test ist Voraussetzung.

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